1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Halle
  6. >
  7. Preis geht nach Halle: Preis geht nach Halle: Sachsen-Anhalt würdigt Integrationsarbeit

Preis geht nach Halle Preis geht nach Halle: Sachsen-Anhalt würdigt Integrationsarbeit

Von Martina Weber 28.11.2014, 19:41
Schüler Sami A.R. und Mathelehrerin Sybilla Schmidt
Schüler Sami A.R. und Mathelehrerin Sybilla Schmidt St. Johannis Stiftung Lizenz

Halle (Saale) - Einen Schulabschluss zu haben ist für die meisten Ausländer in Halle nicht selbstverständlich. Sei es aufgrund von Krieg oder mangelnder schulischer Infrastruktur in ihrem Herkunftsland. Damit auch diese Menschen eine Chance auf dem hiesigen Jobmarkt haben, unterstützt der gemeinnützige Verein St. Johannis gGmbH mit dem Projekt LOOP Migranten dabei, den Schulabschluss nachzuholen. Dafür wurde der Verein gestern Abend mit dem Integrationspreis des Landes geehrt.

Den Schulabschluss nachzuholen bedeutet für die zurzeit 30 Schüler jeden Tag von 8 bis 13 Uhr klassische Fächer wie Deutsch, Mathe, Bio, Sozialkunde und Geografie zu pauken – für den Realabschluss auch Englisch. Die zwischen 17 und 27 Jahre alten Schüler erhalten auch grundlegendes Schulwissen vermittelt wie die Grundrechenarten. Im zweiten Jahr wird dann für die Abschlussprüfung gebüffelt. Doch wie geht es mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss weiter?

„Es geht bei LOOP auch darum, zu erfahren, was sind eigentlich meine Interessen und Stärken?“, sagt Manuela Diegmann, Projektleiterin von LOOP. In gemeinsamen oder individuellen Bewerbungstrainings werden Lebensläufe geschrieben und Jobmessen besucht. Oft werden die Teilnehmer erfolgreich in ein Praktikum oder sogar in einer Ausbildungsstätte untergebracht. Manuela Diegmann schätzt, dass etwa 70 bis 80 Prozent der LOOP-Teilnehmer einen Ausbildungsplatz bekommen. Sei es der Jugendliche aus der Republik Niger, der eine Stelle im Altenpflegeheim bekam oder der Zugezogene aus Burkina Faso, der im Gleisbau arbeitet. Auch im Servicebereich finden viele einen Arbeitsplatz. „Es kommt letztendlich auf die Eigeninitiative der Menschen an. Aber auch auf den Willen der Arbeitgeber und der Ausländerbehörde“, so Diegmann. Denn oft scheitert das Weiterkommen der Arbeitssuchenden an Vorurteilen oder bürokratischen Hürden.

Aber zumindest werden die beruflichen Grundsteine bei der St. Johannis gGmbH gelegt. Als Tochter der Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg hat sie seit 2012 die Migrationsarbeit der ehemaligen Jugendwerkstatt Bauhof übernommen. Seitdem teilen sich Sozialarbeiter, Freiwillige, Lehramtsstudenten und pensionierte Lehrer die Arbeit. Einige sind fest angestellt, andere arbeiten ehrenamtlich. Für dieses Engagement erhielt gestern Abend der Verein den mit 1000 Euro prämierten ersten Platz. Das Ausbildungsprojekt gewann in der Kategorie „Potenziale erkennen und nutzen“. (mz)