Notkirche als Dauerlösung
Halle/MZ. - Der Grund: Sie war die letzten sechs Monate nicht in Halle, sondern in Chile, um dort unter anderem erste Kontakte für die Vorbereitung des Weltgebetstages der Frauen zu knüpfen. Chile wird den Gebetstag 2011 organisieren.
"Ich habe den Rahmen des Jubiläums vorher mit den Ehrenamtlichen abgesprochen", berichtet die Weltenbummlerin, die erst Mitte August wieder nach Halle zurückkehrte. Neben der Magdeburger Pfarrerin Elke Krtschil, die vertretungsweise die Gemeinde betreute, haben sich rund 20 Mitglieder des Gemeindekirchenrates und der Gemeinde an der Planung beteiligt. Unter ihnen sind auch Irmhild und Eckehart Günther. Das Ehepaar hat sich vor allem mit der Geschichte der Gemeinde beschäftigt und wird sein Wissen am Freitag bei einem Gemeindeabend in Form eines Dialoges preisgeben, der musikalisch umrahmt wird.
"Die Gesundbrunnen-Kirche ist mit ein paar Schrammen davon gekommen", verrät Eckehart Günther von seinen Recherchen aus der Kriegszeit. Zweimal fielen Bomben auf das Gotteshaus, doch die Schäden seien gering gewesen.
Zwar war 2003 eine Gemeindechronik zum 70-jährigen Bestehen erschienen, dort standen aber die Biographien der Pfarrer im Mittelpunkt. Rund drei Monate forschte das Ehepaar in bislang nicht untersuchten alten Unterlagen der Gemeinde, ebenso in Gemeindebriefen der Georgengemeinde, von der sich die Gemeinde am Gesundbrunnen Anfang der 30er Jahre abgespalten hatte. Sogar Leuchter und eine Bibel, die die Gemeinde zur Einweihung 1933 erhalten hat, entdeckten sie wieder und werden sie am Freitag erstmals wieder präsentieren.
Die Bevölkerung im Süden Halles war in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts enorm angewachsen, so dass hier eine weitere Kirche geplant war. Allerdings wurde nur ein Flügel des eigentlich dreiflügligen Baus verwirklicht - die 1933 eingeweihte Notkirche sollte ein Provisorium bleiben.
Der Hallenser Architekt Bruno Föhre (der unter anderem das Kaufhaus Lewin am Markt, heute "Haus des Buches", entworfen hat) hatte 1930 eine imposante spitztürmige Kirche in der Mitte der Anlage mit Gemeinderäumen, Kindergarten und Wohlfahrtsgebäuden geplant. Doch zu Zeiten der Nationalsozialisten wurde hierfür keine Baugenehmigung vergeben.