Neue Präsidentin am Landesarbeitsgericht Neue Präsidentin am Landesarbeitsgericht: "Wie in einer Familie"

Halle (Saale) - Sie hat die wohl knüppeldickste Bewerbungsphase hinter sich, die man sich vorstellen kann. Politiker auf Bundes- und Landesebene redeten sich die Köpfe rot, ob sie oder einer ihrer vier Mitbewerber wohl am besten für die Präsidentschaft im Landesarbeitsgericht geeignet sei. Nach hitzigen Debatten sitzt sie jetzt auf dem Chefsessel: Kathrin Thies.
Die 59-jährige gebürtige Niedersächsin hat in Freiburg im Breisgau studiert, lange als Rechtsanwältin in einer Kanzlei gearbeitet und wollte nach der Wende unbedingt in den Osten. „Plötzlich ging die Mauer auf, da wollte ich dann unbedingt den Umbruch miterleben. Das war alles sehr spannend.“ Als schließlich der Mietvertrag ihrer ersten Kanzlei gekündigt wurde, nahm sie den Stolperstein als Anstoß, um endlich in den Osten zu gehen, in die Platte zu ziehen und den Wandel hautnah mitzuerleben.
2003 ging sie als Referentin ins Justizministerium nach Magdeburg
Zuerst hat sie in Stendal gearbeitet, 2003 ging sie als Referentin ins Justizministerium nach Magdeburg. Aus dem höheren Justizdienst bewarb sie sich schließlich in Halle, „um mal wieder was anderes zu sehen“. Immer wieder Zelte abzureißen und irgendwo neu anzufangen war für die Hobby-Sängerin nie ein Problem, „man ist als Richter sowieso oft solo unterwegs“, sagt Thies. Bislang pendelt sie täglich zum Neustart in Halle. Bald will sie in die Saalestadt umziehen. „Ich bin sehr gespannt, als Konzertgängerin erwartet mich hier sicher eine Menge“, sagt sie.
Für die Zukunft hat sich Thies vorgenommen, die Präsenz des Landesarbeitsgerichts zu verstärken. Sie betrachtet die Gerichtsbarkeit auch als wichtigen Standortfaktor für Unternehmen. „Wenn die Firmen wissen, dass die Verfahren hier nicht Ewigkeiten dauern, spricht das für die Stadt als Wirtschaftsstandort“, sagt sie. Um die Verfahren künftig schneller über die Bühne zu bekommen, würde sie deshalb am liebsten Personal aufstocken, zumal die Fälle auch immer komplexer werden würden.
Von ihren neuen Kollegen ist Thies übrigens begeistert. „Ich glaube, alle sind froh und erleichtert, dass endlich jemand den Posten übernommen hat.“ Zur neuen Führungsspitze gehört neben ihr auch ihr brandneuer Stellvertreter Dirk Hesse. „Ich fühle mich wie in einer großen Familie“, sagt sie. (mz)