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Wort Satz und Sieg Katja Hofmann: Wie die Hallenserin zur Poetry-Slammerin wurde

Von Sandy Schulze 04.06.2016, 10:00
Die Wörterspeise, die Poetry-Slam-Reihe in der Goldenen Rose, geht nach der Veranstaltung am Samstag bis Dezember in die Pause. In Katja Hofmanns Kalender drängt sich trotzdem Termin an Termin.
Die Wörterspeise, die Poetry-Slam-Reihe in der Goldenen Rose, geht nach der Veranstaltung am Samstag bis Dezember in die Pause. In Katja Hofmanns Kalender drängt sich trotzdem Termin an Termin. Holger John

Halle (Saale) - Das erste Mal war echt peinlich. Die Hände haben gezittert, die Knie und die Stimme sowieso. „Der Text war schlecht“, sagt Katja Hofmann über ihre waghalsige Premiere vor Jahren beim Poetry Slam im „Turm“. Dank vieler abstimmungsfreudiger Freunde im Publikum konnte sie die erste Runde im Dichterwettstreit überraschend für sich entscheiden. Und stand plötzlich ahnungslos im Finale. Dann kam der zweite Text. „Und der war noch schlechter“, sagt die 29-Jährige trocken.

Poetry-Slam meets Impro-Theater

Vom Gedanken, die nationalen Slam-Bühnen erobern zu wollen, ließ sich Katja Hofmann trotzdem nicht abbringen: „Ich wusste, dass viel schauspielerisches Talent in mir steckt, das ich ausleben wollte“. Einige Versuche später stand sie schon wie ein Profi auf der Bühne und moderierte die Reihe im Turm später auch selbst.

Bis sie irgendwann entschied, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. „Ich habe eine Vorliebe für Kreuzungen und Mischungen“, sagt die Bühnenpoetin und rief Veranstaltungsreihen wie die „Wörterspeise“ in der Goldenen Rose hervor. Oft lebt das Programm von Gegenpolen: Poetry Slam und Improvisationstheater. Oder am Samstag das große Städteduell Halle gegen Leipzig, unter anderem mit dem Vorzeige-Slammer André Herrmann.

Bekannt wie ein bunter Hund

Die ausgewiesene Vorliebe für Mischmasch und die Verbindung von Zweierlei wurde Katja Hofmann wohl schon in die Wiege gelegt, zumindest wenn es um Halle geht. Sie ist Hallenserin - und doch nicht. „In meinem Pass steht Halle als Geburtsort,“ sagt sie. Weil sich damals abzeichnete, dass sie zu früh zur Welt kommen würde, kam ihre Mutter zur besseren Versorgung nach Halle. Einen Monat nach der Geburt ging es zurück in die Heimat Thüringen.

Für das Studium in Frankoromanistik und Politikwissenschaften kam Katja Hofmann vor elf Jahren wieder nach Halle. Auch aus Zufall: „Die Uni hatte mir als erste zugesagt“. Statt Leipzig oder Marburg also Halle. Heimat geht eben auch doppelt, denn inzwischen ist Hofmann, die auch als Clubmanagerin in einem Frauenfitness-Studio arbeitet, hier längst angekommen: „In der Stadt fühle ich mich schon wie ein bunter Hund.“ Es kommt vor, dass sie hinter ihrem Mädchen tuscheln hört, die sie aus Slams kennen und für eine kleine Berühmtheit halten.

Auftritt in der JVA Waldheim

Kein Grund, nicht auf dem Boden zu bleiben. Oder zur Not auch mal darunter. Ihre Herausforderungen sucht sie nicht nur bei den Auftritten an sich, sondern auch in der Auswahl der Orte. Zum Beispiel in einem Erlebnis-Bergwerk in 670 Metern Tiefe. „Das hat mich harte Überwindung gekostet, ich habe Panik vor der Tiefe und der nächste Korb zurück ging erst nach sechs Stunden“. Vor wenigen Tagen ist sie zusammen mit ihrer Slam-Partnerin Leonie Warnke für Inhaftierte in der JVA Waldheim aufgetreten.

Seit ihren Anfängen vor acht Jahren hat sie fleißig Titel gesammelt: unter anderem als Vize-Meisterin in Sachsen-Anhalt, Landesmeisterin in Thüringen und Halbfinalistin bei den deutsprachigen Meisterschaften. Auch, weil sie auf der Bühne keine Angst kennt. Dann klappt’s sogar mit dem inbrünstig vorgetäuschten Orgasmus.

Nebenbei gibt sie Workshops und moderiert auch. Auf der Messe für kreatives Computerspielen in Hamburg, oder auch beim Universitätssportfest in Göttingen, wenn sie beim Klimmzugwettbewerb als Motivationskönigin antritt.

Neue Lesebühne geplant

Für den Herbst hat die Hallenserin einen Hate-Slam geplant, bei dem Teilnehmerinnen wie Ninia LaGrande ihre fiesesten Hasskommentare von Lesern und Zuschauern vortragen. Mit „Glanz und Gloria“ soll außerdem eine neue Lesebühne für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen entstehen.

Die Wörterspeise findet am Samstag um 19.30 Uhr in der Goldenen Rose statt. Einlass ab 18.45 Uhr. Wenige Restkarten an der Abendkasse. (mz)