Kabinettsposten

Kabinettsposten : Halle regiert Magdeburg

Halle (Saale) - Die Zeit der halleschen Abwesenheit am Kabinettstisch in Magdeburg ist vorbei. Nach sechs Jahren kehrt die Saalestadt zurück in die Landesregierung. Und das gleich doppelt. Neben Claudia Dalbert (Grüne) als Landwirtschafts- und Umweltministerin wird nach MZ-Informationen auch Marco Tullner (CDU) der neuen Regierung angehören. Er übernimmt das Kultusministerium. Offiziell wollte sich der 47-Jährige am Mittwoch nicht ...

Von Jan-Ole Prasse

Die Zeit der halleschen Abwesenheit am Kabinettstisch in Magdeburg ist vorbei. Nach sechs Jahren kehrt die Saalestadt zurück in die Landesregierung. Und das gleich doppelt. Neben Claudia Dalbert (Grüne) als Landwirtschafts- und Umweltministerin wird nach MZ-Informationen auch Marco Tullner (CDU) der neuen Regierung angehören. Er übernimmt das Kultusministerium. Offiziell wollte sich der 47-Jährige am Mittwoch nicht äußern.

Mit Dalbert und Tullner werden zwei Hallunken Minister. Beide sind zugezogen. Die 61-Jährige Grünen-Politikerin folgte 1998 einem Ruf als Psychologie-Professorin an die Martin-Luther-Universität. Seitdem lebt Dalbert in der Stadt - auch nach ihrem Einzug in den Magdeburger Landtag im Jahr 2011. „Halle ist meine neue Heimat geworden. Hier kriegt mich keiner mehr weg“, sagt sie.

Tullner kam schon 1989 als Student nach Halle. Nach seinem Abschluss in Geschichte im Jahr 1996 arbeitete der zweifache Familienvater fünf Jahre am Lehrstuhl von Everhard Holtmann. 2002 schaffte es Tullner erstmals in den Landtag. Er setzte sich in seinem Wahlkreis überraschend gegen Gerlinde Kuppe (SPD) durch - bezeichnender Weise neben Jan-Hendrik Olbertz eine der letzten Landesministerinnen aus Halle. Nun tritt Tullner auch in Magdeburg in ihre Fußstapfen.

Für Halle bedeuten die beiden Kabinettsposten eine deutliche Aufwertung in der Landespolitik. Denn seit der Landtagswahl 2011 kam gerade mal ein Staatssekretär - Marco Tullner - aus der Saalestadt. „Manchmal hatte man schon das Gefühl, dass es für Magdeburg einfacher war, Gehör in der Landespolitik zu finden“, sagt Dalbert: „Das wird sich jetzt ändern.“

Denn die Ernennung der beiden Hallenser ist nicht nur eine symbolische Aufwertung, sondern kann sich praktisch niederschlagen. Schließlich werden im Kabinett alle Entscheidungen gemeinschaftlich unter den Minister diskutiert und zwischen den Häusern abgestimmt. „Natürlich bringt man die Erfahrungen aus der Stadt mit ein, in der man lebt“, sagt Dalbert.

Zumal Halle mit den beiden neuen Minister auch wieder politisch die „Hauptstadt des Südens“ wird. Denn bei der Landtagswahl am 13. März ist vor allem die CDU im südlichen Sachsen-Anhalt dezimiert worden. Neben den drei in Halle direkt gewählten Unions-Abgeordneten kommen aus den vier benachbarten Landkreisen nur noch drei weitere CDU-Parlamentarier. Darum waren innerhalb der Partei schon während der Koalitionsverhandlungen Stimmen laut geworden, dass Tullner unbedingt Minister werden müsste - auch um den Süden zu stärken. Bei den Grünen ist der hallesche Stadtverband traditionell der wichtigste. Schließlich erzielt die Partei in Halle seit Langem die landesweit besten Wahlergebnisse. Neben Tullner und Dalbert bekleidet noch ein Hallenser ein wichtiges Amt in Magdeburg: Swen Knöchel als Fraktionsvorsitzender der Linken.

Auch in der Kommunalpolitik wird das neue personelle Gewicht begrüßt. „Es ist gut, das wir nun zwei Bürger dieser Stadt am Kabinettstisch haben“, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) auf Anfrage der MZ. Zwar habe es auch zuvor zu den Ministern enge Kontakte gegeben, aber: „Es ist nicht unwesentlich, dass man in Magdeburg auch lokale Erfahrung aus Halle mitbringt.“ (mz)