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Jubiläum Jubiläum: Stadtbad in Halle feiert sich mit Kunst

Von Detlef Färber 09.02.2016, 16:17
Von Wassergott bis Wassertropfen - das Stadtbad ist im Spiegel der Kunst ganz in seinem Element.
Von Wassergott bis Wassertropfen - das Stadtbad ist im Spiegel der Kunst ganz in seinem Element. Holger John Lizenz

Halle (Saale) - So schön können feuchte Wände sein! Nixen, Neptun & Co. zieren mit anderen Motiven rund ums kühle Nass neuerdings die Vorderfassade und den Hof jenes halleschen Hallenbades, das auch ohnedies schon eine absolute Zierde fürs Stadtbild ist: Und das seit ziemlich genau hundert Jahren?- was demnächst eine Jubiläumsfeier zur Folge hat.

Und einen Vorgeschmack darauf gibt es nun schon in Form der Wandgestaltung, die der Zeichenzirkel der Moritzburg unter Leitung des halleschen Künstlers Burghard Aust im letzten halben Jahr vorbereitet, in den letzten Tagen an den Fassaden installiert und am Montag gegen böige Windstürme verteidigt hat.

„Wasser“ lautete natürlich das Thema für das, was die 22 Mitglieder des Kunstenthusiasten-Vereins in wasserfesten Farben und auf weitgehend reißfesten Leinwänden gemalt haben: Wasser als pures „Element“ einerseits, das dennoch eine erstaunliche Vielfalt an Farben und Formen in der Darstellung ermöglicht. Etwa, wenn auch nur ein einziger Tropfen ins Wasser fällt. Oder wenn Wellen, Wirbel und Strudel die so genannten stillen Wasser in Aufruhr versetzen.

Doch natürlich sind auch Fische, Kraken und andere See- und Meeresbewohner auf den Bildern der Zirkelkünstler zu sehen. Und mehr noch jene, die Seen und Meere zeitweilig erholungssuchenderweise frequentieren: Etwa schwimmend auf Luftmatratzen oder in Form von kraulenden Armen und Beinen, die aus dem Wasser ragen. Oder als sagenhafte Wasserwesen und Gottheiten wie besagter Neptun oder die Nixen, denen in Sachen Wasserfreude die regelmäßigen Besucher auch des Stadtbads so gern nacheifern.

Mit dem Moritzburg-Malzirkel haben die das Stadtbad tragenden Stadtwerke und der Freundeskreis des Baudenkmals einen der traditionsreichsten kunsttreibenden Vereine der Region als Partner für die Jubiläumsaktion. Einst als Kunstzirkel der Buna-Werke gegründet, ist die Gruppe seit 1993 am Kunstmuseum in Halle angesiedelt. Und genau zu dieser Zeit übernahm Aust als damals frischgebackener „Burg“-Absolvent die Leitung jenes Zirkels, aus dem er vor seinem Studium an Halles Kunsthochschule selbst hervorgegangen war.

Es ist auch nicht die erste temporäre Fassadengestaltung, die Aust kreiert hat - unter anderem mit Hilfe seines Zirkels. Unvergessen ist die Aktion „Deutschland lässt die Hosen runter“ am Domplatz, die 2009 der perfekte Kommentar zur Finanzkrise war. Und nun also das Thema Wasser und öffentliche Bäder. Die gehörten - wie bei den Römern - zu unserer abendländischen Kultur, meint Aust: auch als ein Ort der Kommunikation. Und als ein Ort relativer Gleichheit. Für seine Zirkelmitglieder sei das Projekt zudem eine ideale Gelegenheit gewesen, sich stilistisch zu beweisen - gerade auch von den Motiven her. Denn, so Aust: „Was wäre die Kunst und die Kunstgeschichte ohne das Thema Wasser“? Und ohne die Sehnsucht, vor allem aber „ohne badende Frauen?“ (mz)

Geschafft: Burghard Aust und sein Team haben die meisten Bilder schon an der Fassade angebracht.
Geschafft: Burghard Aust und sein Team haben die meisten Bilder schon an der Fassade angebracht.
Holger John Lizenz