Halle Halle: Stadt lässt Protestler allein
HALLE/MZ. - "Lärm macht krank" hatten Sylvia Sedlitz und Karin Guse auf ihr überdimensionales Plakat geschrieben und sich Donnerstag am frühen Nachmittag mitten auf die Äußere Leipziger Straße in Reideburg gesetzt. Dort waren sienicht allein - insgesamt etwa 40 Anwohner blockierten mit Transparenten zwischen 14 und 14.30 Uhr die Straße, auf der sonst pausenlos Lastwagen rollen, weil sie als Ausweichroute genutzt wird. Mit der Aktion wollten die Bürger gegen die unerträgliche Lärmbelästigung protestieren und die Stadt auf ihre Sorgen aufmerksam machen.
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Sie fordern seit langem, zumindest eine Tempo 30-Zone in der Straße, in der fast ausschließlich Ein- und Zweifamilienhäuser stehen, einzurichten. Nach den Worten von Innendezernent Bernd Wiegand stünden die Aussichten dafür nicht schlecht. Die Stadt befürworte das Vorhaben; das Landesverwaltungsamt müsse jedoch noch zustimmen, sagte er der MZ am Telefon. Seine Ankündigung, dass einer seiner Mitarbeiter Donnerstag vor Ort sei, traf nicht zu - von der Stadt hatte sich niemand bei den Demonstranten sehen lassen.
Wie einer der Organisatoren des Protestes, Werner Ostoiki, erklärte, sei die Herabsetzung der Geschwindigkeit nur eine Forderung: "Wir wollen auch eine Begrenzung für Lkw bis 7,5 Tonnen." Zudem müsse der Schwerlastverkehr über die Ost-Tangente umgeleitet werden, und die vor Jahren versprochene Umgehungs-Trasse für Reideburg sei überfällig.
Wer es von den Anwohnern ermöglichen konnte, war Donnerstag bei der Blockade dabei. Der 82 Jahre alte Werner Krauser mit seiner Frau Hildegard, die in der Äußeren Leipziger Straße geboren wurde, ebenso wie Karin und Axel Guse. Das Ehepaar macht gerade Urlaub und wollte unbedingt mitprotestieren. "Ich arbeite in Schichten", so Axel Guse, der am Ende der Häuserzeile wohnt, "dort geben die Lkw richtig Gas, was den Lärm verdoppelt."
Nicht ganz einverstanden waren die Anwohner mit der Absperrung der Straße während des Protestes durch die Polizei. Die Beamten hatten den Verkehr schon weit vor der Demo umgeleitet. "Die Laster sollten aber im Stau stehen", so Ostoiki. Trotzdem sind die Bürger mit der Resonanz auf ihre Demo ganz zufrieden. Stadträte signalisierten Unterstützung. So kündigte Gottfried Koehn (SPD) an, Druck machen zu wollen. Und CDU-Fraktionschef Bernhard Bönisch will das Problem umgehend in Ausschüssen zur Sprache bringen.
Die Anwohner sind gespannt, was sich tut. Eines sei klar: "Passiert nichts, ist die Straße in vier Wochen wieder dicht", so Ostoiki.