Halle Halle: Kinder meiden die Toilette
Halle (Saale)/MZ. - Werden die Mitglieder des Bildungsausschusses große Augen machen? Werden sie bestürzt sein? "Ganz sicher", denkt Claudia Dittmar. Im Namen aller Eltern hat die Vorsitzende des Schulelternrats die Mitglieder zur nächsten Sitzung am 14. Dezember direkt ins Zentrum der Sorgen bestellt: in die Grundschule "Frohe Zukunft".
Die Eltern der 222 Schulkinder, die 13 Lehrer und Schulleiter Steffen Hunkert sprechen von einer Katastrophe. Die Schule hat 43 Jahre auf dem Buckel. "Turnhalle, Flure, Klassenzimmer und Sanitäranlagen befinden sich in einem gesundheitsbedenklichem, ja menschenunwürdigen Zustand", beklagt Dittmar. Der Schulleiter Steffen Hunkert bestätigt das alles.
Erstaunlich ist, dass selbst die Lehrer - die sonst nur intern bei ihrem Dienstherren, dem Landesverwaltungsamt, Beschwerde einlegen dürfen - sich öffentlich Gehör verschaffen. Natürlich mit Vorsicht, über einen Dreh: Der Elternrat, der selbst einen offenen Beschwerdebrief an Halles Stadträte, Schulbehörden und an das Magdeburger Kultusministerium richtete, legte dem Schreiben einen 16-seitigen Beschwerdebrief der Lehrer bei. In dem dokumentieren die Pädagogen das Chaos. Neben viel zu kleinen Klassenräumen mit kaputten Fußböden, ungedämmten Fenstern, feuchten Räumen mit Wasserschäden ist auch der sanitäre Schrecken mit Fotos bebildert worden.
"Die Kleinen ekeln sich jeden Tag vor den Toiletten", sagt Dittmar deren Tochter die Schule besucht. Der Uringeruch und bauliche Zustand sorgten dafür, das die Schüler mit aller Macht versuchten, die Räume zu meiden. "Nahezu alle Eltern berichten, dass ihre Kinder in der Schule extra wenig trinken, nur um nicht auf Toilette zu müssen", so die 34-Jährige.
Beim letzten Bürgerforum bestätigte die Verwaltung das Problem und schob eine Lösung nach. Demnach sollen die Schüler in die ehemalige benachbarte Sekundarschule umziehen, wo bislang die freie Schule Riesenklein untergebracht ist. Die Stadt, der dieses Gebäude gehört, hat bereits Eigenbedarf angemeldet. Wann jedoch für Riesenklein ein Ausweichquartier gefunden werden kann, ist unklar.
Aufgrund der Beschwerden gab es jüngst einen Vor-Ort-Termin mit dem Beigeordneten Tobias Kogge in der Schule. Dabei wurden Notmaßnahmen versprochen, zum Teil schon eingeleitet. "Das ist positiv", sagt Hunkert. Allerdings reichten Schönheitsreparaturen nicht aus. In den Toiletten müssten Fliesen neu abgedichtet, auch Rohre komplett gereinigt werden, so Hunkert.
Norbert Böhnke, Referent des Schul-Beigeordneten, betont indes, dass alle Maßnahmen im Konsens mit der Schule erstellt worden seien. "Nachforderungen kann aufgrund der aktuellen Haushaltslage nicht nachgekommen werden", so Böhnke. Die Stadt sei aber bemüht, dem Verein Riesenklein bei der Suche nach einem Ausweichquartier zu helfen, um den Umzug zu beschleunigen. Kommentar Seite 8