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Halle Halle: Im Reich des Giganten

Von MICHAEL FALGOWSKI 24.03.2010, 18:27

HALLE/MZ. - So hat er also ausgesehen, der legendäre Waldelefant. Obwohl das niemand ganz genau weiß - vor 30 000 Jahren hat sich das Urvieh aus dem Genpool verabschiedet. Es blieben nur Knochen. Doch egal, dieses einzigartige lebensgroße Modell eines Waldelefanten ist das Prunkstück der spektakulär in Szene gesetzten Sonderschau "Elefantenreich". Heute findet ein Festakt für geladene Gäste statt, ab Freitag ist die Ausstellung für das Publikum geöffnet.

Mit einer Malerbürste verteilt Martin Kroniger, Bildhauer und Modellbauer für Naturkunde, den Lehm auf dem Bullen - ein stolzes Exemplar eines etwa 50 Jahre alten Elefanten. "Es soll wirken, als hätte der vorzeitliche Koloss gerade am Seeufer ein Schlammbad genommen", so Kroniger. Lehm-Beschaffer Lipták beweist dabei Sinn für das Detail. "Ich habe den Lehm am früheren Tagebau Neumark-Nord im Geiseltal ausgegraben", erzählt der Ausstellungsgestalter. Genau an jener Stelle, an der am Ufer eines Sees 70 solcher Elefanten vor 220 000 Jahren verendet sind.

Die zwischen 1985 und 1996 auf dem ungewöhnlichen Elefantenfriedhof ausgegrabenen gigantischen Skelette bilden die Basis für die neue Ausstellung "Elefantenreich - Eine fossile Welt in Europa". Gezeigt wird ein gehobener archäologischer Schatz. "Die Funde ermöglichen die einzigartige Rekonstruktion eines gesamten Biotops vor 220 000 Jahren", sagt Alfred Reichenberger, Sprecher des Landesamtes für Vorgeschichte. Damals war es wärmer in Deutschland, im Schnitt zwei bis drei Grad. "Die ganze üppige Vegetation und reiche Tierwelt dieser Epoche der Altsteinzeit blieb hier erhalten", so Reichenberger. Und Paläontologin Dieta Ambros beschreibt anhand der Skelette in den raffiniert ausgeleuchteten schwarzen Vitrinen die damalige Szenerie: "Am See jagten Höhlenlöwen und Hyänen. Nashörner, Auerochsen und Hirsche ästen." Ausgestellt sind auch Pflanzen, die damals wuchsen. "Unglaubliche 199 Arten sind nachgewiesen. Eine solche Vielfalt gibt es heute im Geiseltal nicht mehr", sagt Martina Barth, im Landesamt Referentin für Ausstellungen. Die Erhaltungsbedingungen in den Sedimenten des verlandeten Sees seien optimal gewesen.

Barth zeigt Laub, das aussieht, als wäre es vom vorigen Herbst übrig geblieben, oder glitzernde Fischschuppen. Auf 900 Quadratmetern im Erdgeschoss des Landesmuseum werden rund 1 000 Fundstücke gezeigt, weitaus mehr als große trockene Knochen. Mit Modellen, Bildern und Filmen wird eine vorzeitliche, buchstäblich untergangene Welt wieder lebendig. Die umfasst das Samenkorn und die Schneidezähne einer Waldmaus ebenso wie drei Meter lange Stoßzähne oder Mammutschädel.

Und auch der Urmensch, so zeigen die Funde, trieb sich seinerzeit im mediterranen Mitteldeutschland herum. Gierig dürften die Steinzeitjäger dabei nach den großen Elefantenherden geschielt haben. Doch da war wenig zu holen: "Mit dem Giganten konnte es der Mensch nicht aufnehmen. Einen wirklichen Feind hatte der eurasische Altelefant mit einer Schulterhöhe von vier Metern nicht", sagt Dieta Ambros.

Hinter ihr wird unterdessen gerade der Schädel eines Höhlenlöwen noch einmal aus der Vitrine genommen. Handwerker und Museumsmitarbeiter werkeln herum, es werden Texte angeklebt und Stoßzähne montiert. Draußen, über dem Eingang des Museums, ist das riesige Banner mit der berühmten Himmelsscheibe von Nebra dem Bild eines prähistorischen Dickhäuters gewichen.

Museumskünstler Karol Schauer hat den Elefanten gemalt. Sein Realität gewordener Waldelefant im Atrium des Hauses begrüßt die Besucher. Fünf Monate hat Modellbauer Kroniger für das einzigartige Tier aus Bau-Schaum benötigt. Nun bestreicht er den Elefanten mit Dreck von der Fundstelle. "Wir nehmen ein Bindemittel, damit der Lehm nicht abbröckelt", sagt Kroniger. "Schließlich sollen die Besucher das Modell anfassen."