Halle Halle: Das Geld liegt auf der Straße
Halle (Saale)/MZ. - Bernd Grompe hat es beobachtet und war schlichtweg von den Socken: "Ich dachte, ich sehe nicht richtig", sagt der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Büschdorf zu dem, was sich am Vormittag in der Delitzscher Straße - direkt vor dem Feuerwehrhaus bis hin zur künftigen Straßenbahnendstelle hinter der Einmündung Käthe-Kollwitz-Straße - abspielte. "Sieben Leute von der Straßenbaufirma Hastra haben Löcher in der Fahrbahn stadtauswärts mit Asphalt geflickt, obwohl die Straße ab Montag gesperrt und abgefräst wird", meldete er am Heißen Draht der MZ. "Mir ist schon klar, dass die Straße schlecht war", so Grompe, "aber das ist sie schon seit Wochen. Drei Tage hätte man das doch noch aushalten können. Das Geld hätte man sparen und anderweitig sicher viel besser einsetzen können", ist er sich sicher.
Auftraggeber für das Flickwerk ist die Stadt. Ria Steppan vom Presseamt erklärt, Mitarbeiter des Tiefbauamtes hätten festgestellt, dass "Gefahr im Verzug" sei. "Wir mussten umgehend handeln, um die Sicherheit zu gewährleisten, Schäden an Fahrzeugen und Regressforderungen vorzubeugen", sagt sie. Die Schlaglöcher, die die Leute vom Tiefbauamt auf ihrem Kontrollgang entdeckt hatten, seien bis zu 20 Zentimeter tief gewesen. "Wir mussten sofort handeln", so Steppan. "Auch, wenn es nur für drei Tage ist." Die Kosten gibt sie mit 700 Euro an.
Hastra-Geschäftsführer Klaus-Dieter Hulbe bestätigt, dass seine Firma den Auftrag am Mittwoch kurzfristig erhalten und am Donnerstag ausgeführt habe. Es habe wohl Sicherheitsprobleme insbesondere für die Busse gegeben, deshalb sei die Strecke ausgebessert worden, sagt er.
Sicherheitsprobleme? Unter den Bauleuten ist die Aktion umstritten. Bernd Ratajczak, Polier der Firma GP Verkehrswegebau, die die Delitzscher Straße grundlegend ausbaut, wird dafür sorgen, dass ab Montag all das, was am Donnerstag ausgebessert wurde, wieder abgefräst wird. Denn von diesem Tage an wird der Verkehr über die nördliche Fahrbahn der Straße geleitet, deren Fertigstellung in den letzten Zügen liegt. Dann wechseln die Bauarbeiter auf die südliche Seite, wo sich bisher der Verkehr stadtauswärts wälzte und die Fahrbahn stark in Mitleidenschaft gezogen hat. "Natürlich war der Zustand schlecht", sagt auch der Polier. "Deshalb haben wir selbst auch schon einige Male die schlimmsten Stellen geflickt." Von der Aktion sei man seitens der Stadt nicht informiert worden. Was er davon hält? Er schweigt, holt tief Luft und schüttelt dann mit dem Kopf. "Wegen drei Tagen ...", sagt er nur.