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Halle Halle: Abfahren auf die Havag

Von SILVIA ZÖLLER 08.02.2012, 22:31

Halle (Saale)/MZ. - Sie kamen, sahen und siegten: Paul Zeisler und Emily Feigel, beide besuchen die zehnte Klasse des Elisabeth-Gymnasiums, stellten jetzt im Bildungsausschuss vor, wie man das System für die rund 4 800 Schülertickets in Halle günstiger, gerechter und einfacher gestalten könnte. Und ernten dafür viel Zustimmung im Ausschuss. Vorsitzender Andreas Schachtschneider (CDU): "So ein Anstoß von Schülern ist gut." Nun soll eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadt, der Halleschen Verkehrsbetriebe (Havag), Eltern und Schülern neu über die Schülerbeförderung nachdenken.

In einer Projektwoche hatte sich die Klasse der beiden mit dem Thema beschäftigt. Und dabei herausgefunden, dass die aktuell geltende Regelung in Halle dem Schulgesetz widerspricht: "Darin ist festgelegt, dass sowohl die Teilnahme am Unterricht, als auch an außerschulischen Veranstaltungen möglich sein muss", so der 16-jährige Paul Zeisler. Doch das sei hier nicht gegeben: Die derzeit kostenlosen Schülertickets gelten seit August 2011 nur noch zwischen 6 und 19 Uhr - doch dann seien Schulveranstaltungen häufig noch gar nicht beendet. Zwar gebe es die Möglichkeit, zusätzlich ein Freizeit-Ticket für 87 Euro pro Schuljahr zu kaufen, aber dies ist nur möglich, wenn man eine Schülerfahrkarte hat. Voraussetzung ist dafür, dass man mehr als drei Kilometer vom Schulort entfernt wohnt. Das finden die Elisabeth-Schüler ungerecht, denn Jugendliche, die nicht unter diese Regelung fallen, müssen 38,60 Euro für eine Monatskarte zahlen.

Paul Zeisler und Emily Feigel haben dem Ausschuss ein Modell aus Aachen vorgeschlagen: Dort erhalten anspruchsberechtigte Schüler kostenlos eine Fahrkarte vom Schulträger und zahlen aber zehn Euro pro Monat für den Service, diese rund um die Uhr und in den Ferien nutzen zu dürfen. Mit diesen zehn Euro werde dort ein verbilligtes Abo für alle nicht anspruchsberechtigten Schüler unterstützt - diese können es für 23,20 Euro pro Monat erwerben. "Letztlich ist es an der Zeit, die Preise des öffentlichen Nahverkehrs für Schülerinnen und Schüler fair zu gestalten", meint Paul Zeisler und weist darauf hin, dass durch attraktive Angebote für junge Leute auch das Image von Halle gesteigert werde.

Das sieht auch Ausschuss-Vorsitzender Schachtschneider so: "Das jetzige System der Schülertickets war keine Erfolgsstory." Die Havag, so Schachtschneider, beklage 300 000 Euro Mindereinnahmen, da viel weniger Schüler als gedacht das Zusatzticket für 87 Euro gekauft hätten. Ziel müsse es aber sein, dass möglichst viele junge Hallenser ein Schülerticket erhalten können: "Schließlich bedeutet das auch mehr Fahrgäste für die Havag."

Ob das von den Schülern vorgeschlagene Modell geeignet ist, müsse nun - mit Rücksicht auf die desolate Finanzlage der Stadt - gemeinsam herausgefunden werden. Schachtschneider warnte jedoch davor, "Äpfel mit Birnen zu vergleichen": Wenn in anderen Städten die Schülerfahrkarten günstiger seien, so sei kein Vergleich möglich, da es beispielsweise in Leipzig doppelt so viele Schüler wie in Halle gebe. Und auch andere Landesgesetze. "Vielleicht finden wir ein neues hallesches Modell", ist der CDU-Politiker optimistisch.

Für die beiden Schüler war somit ihr erster Besuch eines städtischen Ausschusses ein voller Erfolg. "Wir hatten die Ankündigung der Ausschuss-Sitzung im Amtsblatt gelesen und uns daraufhin bei der Stadtverwaltung gemeldet", erzählt Paul Zeisler. Denn die Klasse war der Überzeugung, dass man die Ideen der Projektwoche doch durchaus mal den Kommunalpolitikern vorstellen könnte. Und auch die Aufregung hielt sich in Grenzen. "Wenn man nichts macht, kann doch auch nichts passieren", so Paul Zeisler. Von der Havag war am Mittwoch keine Stellungnahme zu den Vorschlägen der Schüler zu erhalten.