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Politik Grünen-Chef aus Halle: „Ich höre den Menschen zu“

Der Hallenser Dennis Helmich gehört zum neuen Führungsduo des Landesverbands der Grünen. Davon soll auch seine Heimatstadt profitieren.

Aktualisiert: 14.12.2021, 11:38
Dennis Helmich gehört zum neuen Führungsduo des Grünen-Landesverbands. Sein ehrenamtliches Stadtratsmandat in seiner Heimatstadt Halle behält er trotzdem.
Dennis Helmich gehört zum neuen Führungsduo des Grünen-Landesverbands. Sein ehrenamtliches Stadtratsmandat in seiner Heimatstadt Halle behält er trotzdem. Foto: Silvio Kison

Halle (Saale)/ MZ - Dennis Helmich ist kein Neuling in der Politik. Seit sechs Jahren sitzt der 30-Jährige ehrenamtlich für die Grünen im Stadtrat. Nun wagt er den Schritt in die Berufspolitik und führt gemeinsam mit der Magdeburgerin Madeleine Linke den Landesverband der Partei an. Im MZ-Interview erklärt er sein Verständnis von Politik und seine Strategie, wie die Grünen auch auf dem Land punkten können. Die Probleme in seiner Heimatstadt verliert er aber ebenfalls nicht aus dem Blick. Das Gespräch führte Tanja Goldbecher.

Bisher saßen Sie für die Grünen im Stadtrat und haben für den Landtagsabgeordneten Wolfgang Aldag gearbeitet. Wie fühlt sich der eigene Schritt in die Berufspolitik an?

Dennis Helmich: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Wahl gewonnen habe und gemeinsam mit Madeleine Linke für die nächsten zwei Jahre das neue Führungsduo des Landesverbands bilde. Hauptberuflich kann ich mich völlig auf die Politik konzentrieren. Mit der Zeit werde ich herausfinden, ob das auf Dauer zu mir passt.

Die Grünen wollen im ländlichen Bereich stärker werden. Nun kommen die beiden Landesvorsitzenden wieder aus Großstädten. Wie passt das zusammen?

Wir Grünen setzen uns seit vielen Jahren dafür ein, dass wir Menschen nicht danach bewerten, wo sie herkommen. Ein Wohnort sagt noch nichts über einen politischen Menschen aus. Jeder muss in seiner politischen Arbeit beweisen, ob er oder sie empathisch ist. Ich kann mich gut in die Lebenssituation von Bürgern hineinversetzen, die auf dem Land leben. Das gelingt mir, in dem ich zunächst genau zuhöre, was sie zu berichten haben, bevor ich mich dazu äußere. Wenn wir im ländlichen Raum stärker werden wollen, müssen wir zudem Grüne-Mitglieder vor Ort haben, die unsere Positionen vertreten. Im Landkreis Harz sind wir zum Beispiel sehr gut vertreten, was sich auch an den Wahlergebnissen bemerkbar macht.

Was haben Sie aus Gesprächen auf dem Land gelernt?

Ich habe zum Beispiel meine Meinung zur Mobilität geändert. Mir persönlich war es immer wichtig, dass Busse und Bahnen in einem engen Takt fahren. Bürger, die im ländlichen Raum leben, haben mir jedoch erklärt, dass der Takt nicht das wichtigste ist. Ihnen kommt es darauf an, dass die Busse dann fahren, wenn sie gebraucht werden wie zum Schulbeginn oder nach Schulende. Auch Rufbusse nehmen dort eine zentrale Rolle. Eine Alternative können Dorf-Autos sein, die sich die Anwohner teilen. Die Menschen dort belastet aber auch, dass immer mehr Geschäfte schließen und Begegnungsräume wegfallen. Solche Bedürfnisse kann ich auch als Städter nachvollziehen und will politisch darauf eingehen.

Mit welchen Problemen konfrontieren Sie die Hallenser?

Ein Problem, das Stadt und Land gleichermaßen betrifft, ist die Kinderarmut. Jedes vierte Kind in Sachsen-Anhalt ist von Armut bedroht. Dagegen müssen wir unbedingt etwas tun. In Halle muss sich die Politik zudem stärker dem angespannten Wohnungsmarkt widmen. Sicherlich findet man noch freie Wohnungen. Wer sich jedoch keine teuren Mieten leisten kann, wird immer mehr an den Rand gedrängt. Hochwertiges Wohnen sollte für alle möglich sein. Deshalb brauchen wir mehr sozialen Wohnungsbau. Die städtischen Wohnungsunternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Wie bewerten Sie die Pandemie-Lage in der Stadt?

Die Gesellschaft ist sehr gefordert und zum Teil überfordert. Die Pflegekräfte sind am Limit. Mich freut, dass sich so viele Hallenser zeitig geimpft haben. Über 20 Prozent sind schon geboostert. Die Grünen setzen sich zudem für eine generelle Impflicht ein, um langfristig die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Der Landesvorsitz wird viel Raum einnehmen. Bleibt da noch Zeit für den Stadtrat?

Ja, ich denke, dass ich beides unter einen Hut kriege und von dem Austausch zwischen Landes- und Kommunalebene profitieren werde. Außerdem will ich daraufhin arbeiten, dass die Grünen nach den Kommunalwahlen 2024 die stärkste Fraktion im Stadtrat werden – das Potenzial haben wir.

Könnten Sie sich vorstellen, einen Grünen-Oberbürgermeisterkandidaten zu stellen, sollte es Neuwahlen geben?

Das kann ich mir sehr gut vorstellen, wenn wir einen geeigneten Kandidaten in den eigenen Reihen finden. Ich hoffe, dass es bald Neuwahlen gibt, damit Halle wieder einen Oberbürgermeister hat.

Zur Person: Dennis Helmich stammt gebürtig aus Moers in Nordrhein-Westfalen. Dort engagierte er sich bereits bei der Grünen- Jugend. 2011 ist er für sein Politik- und Soziologiestudium nach Halle gezogen. Zu diesem Zeitpunkt übernahm er für zwei Jahre den Vorsitz der Jugendorganisation. 2015 zog er in den Stadtrat. Nun gehört er zum Führungsduo des Landesverbands der Grünen. Privat spielt Helmich Basketball in der Bezirksliga. Er ist verheiratet. tgo