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Glaucha Glaucha: Von wegen Arbeiterviertel

Von MICHAEL FALGOWSKI 13.01.2014, 08:14
So sieht es im Mietshaus Zwingerstraße 24 aus. Aufwändig wurde die Bemalung restauriert.
So sieht es im Mietshaus Zwingerstraße 24 aus. Aufwändig wurde die Bemalung restauriert. Günter bauer Lizenz

HALLE (Saale)/MZ - Vor einem Jahr hatte das marode Mietshaus Zwingerstraße 24 in Glaucha noch eine Ofenheizung. Das war aber nicht schlimm, es gab ohnehin keine Mieter mehr. Genau wie in Nummer 26 und 28. Auch die unsanierten Häuser Lerchenfeldstraße 1 und 2 um die Ecke standen beinahe leer. Lange hat die Hallesche Wohnungsgesellschaft gewartet, diese teilweise denkmalgeschützten Gründerzeithäuser zu sanieren. Im Zuge der von der Stadt erfolgreich angeschobenen baulichen Wiederbelebung des traditionell eher unbeliebten Glaucha-Viertels hat aber das kommunale Wohnungsunternehmen HWG im vergangenen Jahr nun auch diese fünf Mietshäuser erneuert. Zusammen mit den bereits sanierten, 1989 gebauten letzten DDR-Plattenbauten an der Langen Straße, umstehen sie nun einen eigens gestalteten, lichten, sehr grünen Innenhof, wie man ihn hinter den Glauchaer Hausfassaden nicht vermutet.

Alle Wohnungen vermietet

Mehr als vier Millionen Euro haben die Sanierung und die Quartier-Gestaltung in Glaucha immerhin gekostet. Eine Förderung gab es dafür nicht. „Alle 46 Wohnungen waren noch vor der Fertigstellung vermietet. Die 100-Quadratmeter-Wohnungen waren als erste weg“, sagt Christian Zeigermann. Der HWG-Chefarchitekt und Technik-Leiter erklärt sich den Erfolg des Glaucha-Projekts einerseits mit der gewachsenen Beliebtheit des zentrumsnahen Gründerzeitviertels, andererseits mit der Ausstattung der teilweise prächtigen alten Mietshäuser. In den denkmalgeschützten Gründerzeithäusern wurden etwa die alten Wohnungstüren restauriert, selbst alte Lichtschalter im Treppenhaus wurden dem Original nachempfunden und die prächtige Ausmalung aufwendig restauriert.

Deren Qualität hat auch Zeigermann überrascht. „Das ist schon sehr prächtig. Von wegen Arbeiterviertel: Die Gründerzeithäuser in Glaucha müssen sich hinter dem Paulusviertel überhaupt nicht verstecken!“ Zeigermann hofft nun, dass die Investition der HWG auch die Sanierung einiger weniger privater Hausruinen in der Nachbarschaft nach sich zieht.

Die kommunale Wohnungsgesellschaft ist Halles größter Vermieter. Rund 18 500 Wohnungen besitzt das Unternehmen. Es gibt noch einiges zu tun. „Der Sanierungsstand liegt bis knapp 70 Prozent“, so HWG-Sprecher Steffen Schier. Nur recht langsam kann das Unternehmen den Sanierungsstau abbauen. Der Bedarf ist da. „Rechnet man den Schülershof mit, der 2014 fertig wird, dann haben wir im vergangenen Jahr über 580 Wohnungen saniert und vollständig vermietet“, sagt Steffen Schier. Mehr als 30 Millionen Euro wurden investiert!

Altbauten werden saniert

Rund jede vierte der 18 500-HWG-Wohnungen befindet sich in einem Altbau oder Gründerzeithaus. Seit der Wende hat die HWG vor allem in die einfachere und wohl auch renditeträchtigere Neubau-Sanierung investiert. Nun rücken die Altbauten immer mehr in den Fokus. Das wird an den Sanierungen des vergangenen Jahres deutlich: Dazu gehören neben dem Quartier Lange Straße 85 Wohnungen und zwei Gewerberäume in dem 1930er-Jahre-Komplex am Landrain, 72 Wohnungen im Reilshof, 109 Wohnungen und drei Gewerberäume in den denkmalgeschützten Blöcken aus den 1950er Jahren an der Delitzscher Straße. Nach Angaben der HWG sind sämtliche Wohnungen vermietet. Hinzu kamen 2013 Wohnungssanierungen in der Warschauer Straße (32) und die Neubauten (94) im Schülershof, die aber noch bis Ende März saniert werden. Dort sind nur noch wenige Wohnungen verfügbar. Energetisch saniert wurden im Zapfenweg (Heide-Nord) 144 Wohnungen.

Auch 2014 will die HWG ihren Bestand weiter erneuern: Am Landrain werden 73, an der Vogelweide 48 Wohnungen komplett saniert. Auch der Abriss geht weiter: Bis August sollen die insgesamt 303 Wohnungen an der Ecke Murmansker Straße/Elsa-Brändström-Straße verschwinden. Gleiches geschieht in Heide-Nord: Bootsweg 14 bis 24 (107 Wohnungen) und Fischerring 1 bis 4 (40 Wohnungen).

Die sanierte Gründerzeit-Fassade der Zwingerstraße 24
Die sanierte Gründerzeit-Fassade der Zwingerstraße 24
Günter Bauer Lizenz
Auch der Innenhof wurde gestaltet.
Auch der Innenhof wurde gestaltet.
Günter Bauer Lizenz