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Fußballverband Halle Fußballverband Halle: Wolfgang Tiffert kann doch nicht loslassen

Von Christoph Karpe 20.06.2014, 07:11
Wolfgang Tiffert
Wolfgang Tiffert Schulz Lizenz

Halle(Saale)/MZ - Tage vorher wunderte sich seine Frau. „,Du bist so still‘, hat sie gemeint“, erzählt Wolfgang Tiffert. Im Rückblick gesteht er: „Eigentlich war ich total unruhig, habe kaum geschlafen. Mich hat so viel beschäftigt.“ Dann kam der Dienstagabend - und es brach aus dem fast 77-Jährigen heraus. Ehrungen, Lobreden, Standing Ovations, das war dann doch emotional zu viel. Dem alten Fußball-Haudegen liefen die Tränen. Es war der Moment, als alles vorbei war. Nach 25 Jahren hat er das Amt als Präsident des Stadtverbandes aufgegeben, machte Platz für Thomas Paris, einen 36 Jahre jüngeren Mann.

Erfolgreicher Trainer

Es war die Vernunft und auch die Familie, die Tiffert rieten, nun endlich einmal kürzerzutreten. Doch das Herz lässt vom Fußball nicht los. Na klar, geht auch nicht. Zuviel hat der Mann, der 1947 bei der SG Gesundbrunnen an der Robert-Koch-Straße als „Außenläufer und Ballschlepper“ begann, erlebt. Ab 1960 kickte er für den SC Chemie. Später wurde er Trainer - ausgebildet an der DHfK in Leipzig. Er war an der Sportschule beschäftigt und verantwortlich für die Stadt- und die Bezirksauswahl. „Die gewann 1984 mit Spielern wie den späteren Profis Silvio Meißner, Alexander Löbe und Erik Schulz sogar Spartakiade-Gold“, erzählt er stolz.

Fast alle später großartigen halleschen Fußballer haben als Jungs bei ihm gelernt: Unter anderem Andreas Wagenhaus, Dariusz Wosz oder dann auch sein Enkel Christian Tiffert, der in Bochum aktiv ist. 1988 bekam Wolfgang Tiffert die Goldene Ehrenplakette des Deutschen Fußball-Verbandes (DFV) und durfte als Auszeichnung mit den DDR-Olympiasiegern von 1988 um Boxer Henry Maske auf Mittelmeer-Kreuzfahrt gehen. „Ich könnte ein Buch schreiben“, sagt er über sein Leben.

1989 kam Tiffert, der auch acht Jahre Geschäftsführer der ESG Halle war, eher zufällig zum Amt des Stadtpräsidenten. Der Vorgänger warf hin. „Ich habe mich dann breitschlagen lassen. ,Mach es doch erstmal‘, sagten alle“, erzählt Wolfgang Tiffert. Doch natürlich blieb der Job auf Dauer an ihm hängen. 42 Vereine und etwa 8 000 Fußballer zählte der damalige KFA - inklusive der Betriebsteams. Heute wird in Halle in 29 Klubs gekickt. Und zuletzt sind die Mitgliederzahlen wieder gestiegen - von 4 100 im Jahr 2010 auf nun rund 6 000. Tiffert freut sich besonders über jedes Nachwuchsteam und auch darüber, dass es nun auch wieder eine Stadtliga im Frauen-Fußball gibt. „Eigentlich“, sagt er „kann ich stolz sein auf das, was mir und meinen Mitstreitern gelungen ist.“ Und dann klopft er sich auch ein wenig selbst auf die Schulter: „Eigentlich habe ich keine Fehler gemacht.“

Zurück in die zweite Reihe

Aber natürlich zieht sich Wolfgang Tiffert, der jetzt als erster Kreischef Ehrenmitglied im Landesverband geworden ist, nicht völlig zurück. Gestern saß er wieder in seinem angestammten Büro im unscheinbaren Bau des Stadtverbandes an der Grenzstraße. An der Wand hängen dort etwa 40 Wimpel von großen Klubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke oder Feyenoord Rotterdam. Es waren Geschenke von Teilnehmern des mittlerweile deutschlandweit namhaften D-Jugend-Hallenturniers. Auch ein „Kind“ von Tiffert.

Ans Packen denkt er nicht. „Ich trete jetzt ins zweite Glied zurück, kümmere mich aber weiter um organisatorische Dinge“, sagt er. „Ich habe zwar nichts mehr zu verantworten, aber ich sehe zu, dass alles weiterläuft.“ Das würde vielleicht auch ohne ihn so sein. Aber Wolfgang Tiffert möchte einfach dabei sein - solange er fit ist.