Fußball Fußball: Ist der VfL oberligatauglich?
Halle (Saale)/MZ. - Urlaub? Fehlanzeige. Thomas Diedrich lebt den Fußball. Und er hat einen heftigen Sommer hinter sich. Fast kann man den Eindruck gewinnen, dass, wenn irgendwo ein Ball rollt, Diedrich nicht weit sein kann. Zuvorderst ist er der Trainer des VfL Halle 96 und damit für die Vorbereitung der Mannschaft auf die Oberliga-Saison verantwortlich. Letzte Woche allerdings wurde der Fußball-Lehrer auch im Berliner Olympia-Stadion gesichtet. "Ich arbeite auch für die Tretschok-Fußballschule. Und da habe ich bei einem Camp für 90 Kinder mitgeholfen. Als Höhepunkt haben wir uns das Spiel von Hertha BSC gegen Real Madrid angesehen", sagt Diedrich.
Am Mittwoch ab 18 Uhr gibt es das Kontrastprogramm zum Glamour-Fußball mit Stars wie Cristiano Ronaldo: Der VfL muss in der ersten Runde des Landespokals bei Blau-Weiß Dölau ran. Klare Weisung: "Wir sind ein Oberligist und müssen weiterkommen."
Rein von der Papierform ist das eine klare Sache. Dölau spielt in der Kreisoberliga. Neunte Liga gegen fünfte also. Wenn da nicht diverse Warnschüsse gewesen wären, die alle beim VfL aufhorchen lassen müssen. Das letzte Testspiel am Sonntag gegen RB Leipzig II endete mit einer deftigen 0:4-Pleite. Die Reserve der Roten Bullen spielt in der Sachsenliga. Das entspricht der Verbandsliga Sachsen-Anhalts, ist also sechstklassig. Und damit nicht genug. In der Woche zuvor hatte der VfL gegen die ESG Halle, ein Landesklasse-Team, einen Achtligisten, verloren: 1:3.
Waren es Weckrufe, Tritte in den Hintern zur rechten Zeit? Oder schlicht Indizien dafür, dass diese VfL-Mannschaft nicht tauglich ist für die Oberliga?
"Natürlich ist sie das", sagt Thomas Diedrich selbstbewusst. Er verweist darauf, dass seine Truppe beim Nord-Oberligisten Lichterfelde 4:3 gewann "und auch bei RB Leipzig gut gespielt hat, trotz des klaren Resultats". Seine Analyse: "Nur in der Zuordnung läuft es eben noch nicht rund. Am Sonntag muss klar sein, wer wo steht und welche Aufgabe jeder lösen muss."
Am Sonntag, damit meint Diedrich den Start der Oberliga-Saison. Der VfL empfängt dann den Chemnitzer FC II. Und bis dahin ist bei der Formierung der neuen Elf Feinschliff angesagt. "Ich werde im Pokalspiel gegen Dölau genau hinschauen, welche Spieler zusammenpassen", sagt Diedrich, für den die Partie am Mittwoch - bei aller Bedeutung - offensichtlich noch zur Testphase zählt.
Sein Team ist nach der letzten Zittersaison im Stamm zusammengeblieben. Sechs Abgängen stehen acht Neue gegenüber (siehe Kasten). Trotzdem hat Diedrich Sorgen. Sascha Rode war schon beim Aufwärmen zum RB-Test umgeknickt und wird in der Viererkette fehlen. Ebenso passen muss Mittelfeldspieler Steve Braun, der von einem RB-Spieler umgegrätscht worden war. Diedrich muss also bei seinem geplanten 4-2-3-1-System schon vor Saisonstart improvisieren.
"Das sehe ich nicht als Problem", meint VfL-Vizepräsident Volkmar Knoll, der bei der Zusammenstellung des Kaders eng mit Diedrich zusammengearbeitet hat. "Unser Team ist konkurrenzfähig. Wir haben für die Abgänge, die zuletzt nicht alle zum Stamm zählten, mindestens gleichwertigen Ersatz. Dass Lok Leipzig, Auerbach und Zwickau tiefer ins Portemonnaie greifen können, wissen wir natürlich." Knapp 400 000 Euro sieht das Budget beim Klub vom Zoo vor. "Mit unseren Mitteln und einem großen Teil mittlerweile oberliga-erfahrener Spieler sollten wir einen sicheren Mittelfeldplatz packen."
Vorige Saison stand der VfL 96 lange auf einem Abstiegsplatz, hatte aber mit einem Schlussspurt die Klasse noch halten können. Diesmal scheint der Optimismus deutlich größer zu sein. Ein Indiz: In den Verträgen der Spieler ist eine Pokalprämie festgeschrieben. Knoll: "Wir hoffen, dass nichts anbrennt. Im Pokal nicht und in der Oberliga auch nicht."