Erst Party, dann Bangen vor Leinwand
Halle/MZ. - Die größten Treffpunkte, an denen das Spiel öffentlich auf Leinwänden oder TV-Bildschirmen übertragen wurde, platzten an diesem schönen Sommerabend aus allen Nähten: Am Thüringer Bahnhof verfolgten nach Veranstalterangaben gut 3 000 Fans das Match. Mehrere hundert Zuschauer fieberten am "Diebels" im Händelkarree mit dem Löw-Team mit. Ebenso voll waren die Kneipenmeilen Sternstraße und Kleine Ulrichstraße.
Tatoos an den Wangen, Trikots, Schals, Hüte, große und kleine Fahnen - Frauen und Männer, Mädchen und Jungen und somit beinahe ganz Halle waren in Schwarz-Rot-Gold getaucht. Fan-Gesänge vom Band oder von Zuschauern hallten über die Plätze.
Im Sitzen oder Stehen
Wie Katrin Kukla, René Beutel und ihre Freunde im "Bierpichler" hatten sich viele schon zeitig Plätze in den Biergärten in der Sternstraße möglichst nahe am TV-Gerät gesichert. Stehparty war hingegen für Jörg Dietrich und Tochter Stefanie am Thüringer Bahnhof angesagt. Der 49-Jährige kannte als Schalke-Fan aus den Stadien bereits die Atmosphäre, wenn Tausende mitleiden oder -jubeln. Eingehüllt in eine Deutschlandfahne, zeigte sich Stefanie erstmals so richtig vom Fußballvirus infiziert. "Es war spannend, wie Deutschland ins Finale gekommen ist. Und heute wollte ich hier unbedingt live dabei sein", sagte die 23-Jährige.
Nicht das Spiel, sondern die Arbeit forderte volle Konzentration von Kellnerinnen wie Sandra Cerkez im "Don Camillo" in der Sternstraße: "Heute muss hier aber jeder Handgriff sitzen." Die 21-Jährige wird am Sonntag reichlich 350 Biergläser geschleppt haben. Ob nun am Biergartentisch oder stehend im knöcheltiefen Sand am Thüringer Bahnhof: Am Ende hat sich das Daumendrücken, das Bangen, das Mitfiebern und vielleicht auch das Beten doch nicht gelohnt. Michael Schulz (22), der alles im "Nightlife" in der Kleinen Ulrichstraße verfolgte, sah's locker: "Der Bessere hat gewonnen."