DDR-Fahrzeug DDR-Fahrzeug: Ein himmelblauer Star für die Staaten
HALLE/MZ. - Pünktlich zum 20. Jahrestagdes Mauerfalls beschäftigt sich das Magazinmit der Erfolgsgeschichte der DDR-Rennpappe.Und macht ganz nebenbei einen Trabi aus Hallezum Star.
Auf mehr als zehn Seiten erzählt der AmerikanerTroy Goffin von der Entwicklung des Kleinwagensaus Zwickau, daneben stehen Bilder verschiedenergut erhaltener Trabi-Modelle.
Darunter ist natürlich auch der Verkaufsschlager- das Modell 601. Der in "Automobile Collectibles"abgebildete Trabi trägt ein hallesches Kennzeichen:Er gehört Harri Schiedewitz, der im OrtsteilDautzsch lebt. Der 80-Jährige ist Besuchewegen seines Wagens inzwischen gewohnt. Seitvor ein paar Monaten Männer in großen Wagenvorfuhren und ihre Kamerausrüstung aufbauten,um seinen Trabi von allen Seiten zu fotografieren,kommt immer mal wieder jemand, um nach derGeschichte hinter den Bildern zu fragen.
Die ist schnell erzählt. Ein ehemaliger Kollegehabe ihn gefragt, ob er nicht noch seinenTrabi hätte. Sein Schwager, ein Amerikaner,der seit einigen Jahren in Deutschland lebe,suche für einen Artikel Menschen, die einengut erhaltenen Trabi fahren. Wenig späterwaren die Amerikaner da, man fuhr ein bisschenherum. Die Besucher interessierten sich brennendfür das Innenleben des Trabi und technischeDetails. An dieser Stelle schaut Harri Schiedewitzbesorgt auf: "Wenn Sie genaue Daten wissenmöchten, müsste ich aber erst in der Anleitungnachschauen."
Verstehen kann Harri Schiedewitz den Rummelum seinen Trabi sowieso nicht: "Die sind dochbekloppt, die Amerikaner", sagt er mit einemZwinkern. Er habe sich gefreut, dass man ihmein Exemplar des Magazins hat zukommen lassen.Reingeschaut aber habe er nur selten. HarriSchiedewitz spricht ja kein Englisch und ergibt auch ganz offen zu, dass er eigentlichniemals Interesse an Autos hatte. Zu seinenTrabis kam er beiläufig: Den ersten kaufteer ganz ohne Anmeldung von einem Arbeitskollegen.Den Himmelblauen bekam er kurz vor der Wende,als ein Arbeitskollege seinen bestellten Neuwagenhätte abholen können, aber das nötigeGeld nicht hatte.
Harri Schiedewitz sprang ein. Seitdem hatder pastellblaue Trabi seinen Platz in derGarage - und dort steht er auch die meisteZeit. "Große Touren mache ich nicht mehr,ich fahre fast nur noch im Stadtverkehr, hauptsächlichzum Einkaufen". Das erkläre auch, warum seinTrabi erst 60000 Kilometer auf dem Buckelhabe. Aber "er fährt noch einwandfrei undviel zu reparieren ist daran ja auch nicht."