Burghard Aust Burghard Aust: Justitia als eine strenge Grazie
Halle/MZ. - Viel öfter als man denkt wird nämlich ein kleiner, von Amor abgeschossener Pfeil an einem x-beliebigen Tatort gefunden oder Eros wird in den Akten erkennbar als mehr oder minder unsichtbares Corpus delicti. Unsichtbar? - In der neuen Ausstellung von Burghard Aust wird zur Abwechslung mal der Nebelschleier gelüftet, der sonst dieses Thema umgibt. Passend zum Ort, der Rechtsanwaltskanzlei Hümmerich & Dietrich, hat sich der Hallenser auf etlichen eigens für seine neue Schau gemalten Bildern mit der ihm eigenen Hintergründigkeit Justitia vorgeknöpft.
Die Dame ist gleich dreimal solo porträtiert. Dabei ist jeweils auch die Frage Thema, warum die Gottheit des Rechts eine Göttin ist. Aust zeigt Justitia graziös, und ihre fast unverschämt langen Beine scheinen die oft langen Wege der Rechtsprechung nachzeichnen zu wollen - nicht ohne die Verheißung, dass sie auch irgendwo enden. Er lässt Justitia Haltung und Anmut zeigen, ja fast schon ein bisschen posieren. Doch im Gesicht zeigt sie männliche Strenge. Spürbar wird hier etwas von der dauernden Gratwanderung zwischen Härte und der Notwendigkeit, abzuwägen und auszugleichen. Auf Austs großem Bild "Recht - schön" werden vor allem die reizvoll erscheinenden Grauzonen ausgeleuchtet, und in einer wahren Verstrickung von Leibern versucht ein Diener des Rechts den Kopf oben zu behalten.
So ist die Rechtshilfe, die Aust anbietet, wohl noch ergiebiger für die Anwälte als für deren Klientel. Über etwaige Gemeinsamkeiten zwischen Künstlern und Juristen hatte sich Austs Künstlerkollege Rüdiger Giebler bei der Vernissage Gedanken gemacht - nicht ohne zumindest einmal fündig zu werden. Der Künstler, so Giebler, könne heute das Gegenteil von gestern machen. Der Jurist brauche dafür meistens etwas länger.
Die Schau ist zu sehen in der Anwaltskanzlei Hümmerich & Dietrich, Ritterhaus, Leipziger Straße 91.