Boxen Boxen: «Panzer» in der Warteschleife
Halle (Saale)/MZ. - "Boxerisch war der Gegner meinem Jungen nicht gewachsen, aber er zeigte sich unheimlich zäh." Halles Box-Trainer-Unikum Uwe Schuster staunte am Samstagabend nicht schlecht. Sein Sohn Philipp, seines Zeichens Weltmeister eines Verbandes namens WBU, hatte in der Sporthalle an der Eissporthalle jede Menge Handarbeit zu verrichten. Erst in der siebten Runde hatte der 21-Jährige seinen Kontrahenten Tom Reiche (25) aus Leipzig weich geklopft. Dessen Coach Matthias Eichler sah dies ein und warf das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe. Philipp Schuster behält also mit dem 17. Sieg im 19. Profikampf seinen Gürtel. Der Vater war über die Vorstellung von "Panzer", wie sich Philipp Schuster nennt, völlig aus dem Häuschen. "Er war technisch klasse, hat seinen Gegner mit vielen Körpertreffern richtig zermürbt", so Uwe Schuster. In Runde fünf wurde Reiche erstmals angezählt. Zwei Runden später "hat Philipp ein richtiges Donnerwetter erzeugt, dann war es vorbei".
Zweifellos hat Philipp Schuster Talent, doch der Weg in die Spitze, hin zu einem bedeutenderen Titelkampf, ist hart und weit. In der deutschen Rangliste ist er in seiner Gewichtsklasse Halbweltergewicht auf Platz zwei notiert. In der unabhängigen Weltrangliste von boxrec.com wurde er, weil er noch keinen großen Namen vor den Fäusten hatte, vor dem Sieg über Reiche nur an Position 496 geführt. 1 434 Boxer sind dort erfasst.
"Philipp braucht noch etwa drei Jahre, ehe ich ihn große Kämpfe machen lasse", sagt Vater Schuster. Zuletzt hat er sogar eine Börse von 17 000 Euro für ein Duell in Johannesburg gegen den Südafrikaner Ali Funeka abgelehnt. Der hat schon WM-Kämpfe bei großen Verbänden bestritten. "Das käme zu früh", meint Uwe Schuster. Schließlich soll niemand sagen können: boxerisch nicht gewachsen, aber zäh. So wird sich der "Panzer" noch bei kleineren Shows für große Aufgaben rüsten.