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Boxen-Chemiepokal Boxen-Chemiepokal: Kampf um Rio-Qualifikation in Halle

Von Petra Szag 08.03.2016, 07:51
Chemiepokal-Starter Robert Harutyunyan (r.) trainiert mit Isabell Hoffmann vom SV Boxring Bernburg.
Chemiepokal-Starter Robert Harutyunyan (r.) trainiert mit Isabell Hoffmann vom SV Boxring Bernburg. Schulz

Halle (Saale) - Beim ersten Mal war es eine Luftnummer. Viel zu früh wich Isabell Hoffmann aus, da hatte Robert Harutyunyan noch gar nicht ausgeholt. „Erst abtauchen, wenn ich geschlagen habe“, erklärte der Box-Meister der aufgeregten Sportschülerin. Reagieren statt agieren ist der Sinn dieser Partnerübung beim Schattenboxen.

Für das Talent aus Bernburg war das gemischte Doppel in Halles Trainingszentrum am Samstag mit dem Auswahlboxer eine große Sache, für Harutyunyan ein bisschen Abwechslung im harten Faustkampfgeschäft. Doch für beide war es eine Premiere: Zum ersten Mal leisteten die Asse aus Hamburg, Schwerin oder Heidelberg dem Nachwuchs des Landes Sachsen-Anhalt Entwicklungshilfe.

Generalprobe für Olympia

Gerade erst sind die Olympia-Hoffnungen von einem Sparrings-Camp aus Kasachstan zurückgekehrt. Dort haben sie sich für die anstehende Rio-Qualifikation fit gemacht. Auch das Turnier ab Dienstag in Halle steht ganz im Zeichen der Ringe. „Beim Chemiepokal“, erklärte der deutsche Chefcoach Harry Kappell die Bedeutung des viertägigen Schlagabtauschs, „machen wir unser nationales Ranking“. Wer sich bei den Turnieren von April bis Juni in Samsung, Sofia und Baku einen Startplatz für Rio erkämpfen will, der muss in Halle die Konkurrenz ausknocken. Von 18 deutschen Boxern beim Pokalturnier haben nahezu alle noch die Chance.

Geboxt wird wird in der Erdgas Arena in Halle-Neustadt. Der Eintritt ist bei der Vorrunde am Dienstag und den Viertelfinals am Mittwoch frei. Halbfinals am Donnerstag kosten für beide Veranstaltungen einmal fünf (Tribüne) oder zehn Euro (Parkett). Das gilt auch für das Finale am Freitag. Die Eintrittskarten gelten vier Stunden vor und nach der Veranstaltung als Havag-Ticket. Erhältlich sind sie u.a. bei Eventim.de, Halles Havag-Services-Centern und den bekannten Vorverkaufsstellen.

Drei Deutsche sind bereits erfolgreich durch die Qualifikationsmühle gegangen, haben ihr Rio-Ticket also sicher. Einer von ihnen will sich seinen Einsatz in Halle dennoch nicht nehmen lassen: Der APB-Weltmeister im Superschwergewicht Erik Pfeifer sucht ganz offensiv den Vergleich mit der Weltspitze. Diese will im Olympia-Jahr das Halle-Turnier als Generalprobe nutzen: Über 90 Boxer aus 20 Ländern werden bei der 43. Auflage durch die Ringseile steigen - erstmals in der neuen Erdgas Arena in Halle-Neustadt.

Ein Lokalmatador ist allerdings wie schon in den Jahren zuvor nicht darunter. Keiner hat im Augenblick das Zeug dazu. Damit fehlt dem Turnier ein Zugpferd, das sieht auch Kappell so. „Dabei hat Halle eine Wahnsinnstradition“, sagte er. Doch mangels internationaler Erfolge in den letzten Jahren werden die Amateure in der alten Boxhochburg nicht mehr wie früher gefördert. Das Geld für hauptamtliche Trainer fehlt.

Mit dem für die Frauen in der Nationalmannschaft zuständigen Bundestrainer David Hoppstock hat sich zwar mittlerweile ein hoch qualifizierter Fachmann der Faustkämpfer seiner früheren Trainingsstätte angenommen. „Doch einer allein kann die Aufgaben nicht bewältigen“, meinte der Chefcoach. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn erst nach Medaillengewinnen bei Großereignissen fließt wieder mehr Geld.

Geld für Trainer fehlt

Deshalb ist Eigeninitiative gefragt. Die neu gegründete Boxabteilung der Ha-Neuer BSG beispielsweise bemüht sich in der Wirtschaft um Partner. Die sollen künftig auch bei der Trainerfinanzierung helfen. Dazu packen viele „Ehemalige“ mit an wie der einstige Chemiepokal-Boxer und mehrfache deutsche Meister Robert Woge.

Beim nationalen Verband kommt das Engagement gut an. Der DBV-Sportdirektor Michael Müller bestätigte, dass man sehr daran interessiert sei, Halle als Standort fürs Amateurboxen wieder voranzubringen.

Das gemeinsame Training der Landes-Talente mit den national Besten passt da also ins Bild. (mz)