Beim Cello-Bau ist viel Kraft nötig
Halle/MZ. - Ries und Veronika Dreysse, die seit genau vier Jahren in der Werkstatt von Wolfram Ries am Domplatz arbeitet, können darüber nur lachen. "Eine Cello-Zarge habe ich grad hier gebogen, das war kein Problem", sagt die 27-jährige Geigenbauerin, die sich in ihrem Beruf richtig wohlfühlt. Kraft sei natürlich bei einigen Arbeitsschritten notwendig, beispielsweise um die Zargen zu biegen, auf denen Decke und Boden des Instrumentes aufgeleimt werden. "Aber Kraft entwickelt sich ja", meint sie. Allerdings: Einen Kontrabass möchte sie lieber nicht bauen. "Der ist dann doch ein bisschen zu groß."
Heutzutage seien in den Berufsschulen schon viele junge Frauen als Lehrlinge anzutreffen. Der Verband der Deutschen Geigenbauer, der Dachverband für Meister und Selbstständige, sei jedoch noch immer eine Männer-Domäne, meint Ries.
Zu Streichinstrumenten hat Veronika Dreysse seit ihrer Kindheit eine Beziehung. Die gebürtige Quedlinburgerin erlernte als Kind das Geigenspiel und besuchte später den Musikzweig des Landesgymnasiums Schulpforte. "Nach dem Abi hatte ich die Idee, Restauratorin für Musikinstrumente zu werden", blickt sie zurück. Voraussetzung für ein solches Studium sei allerdings ein Praktikum oder eine Geigenbau-Ausbildung. Zunächst absolvierte sie ein einjähriges Praktikum in der Werkstatt von Ries. Dann erlernte Veronika Dreysse an der Geigenbau-Schule in Mittenwald das Handwerk. Nach Abschluss ihrer Berufsausbildung kehrte sie nach Halle zurück.
Auch ihr Freund ist übrigens Geigenbauer. Er studiert noch in Markneukirchen an der Abteilung Instrumentenbau der Westsächsischen Hochschule Zwickau. "Nach seinem Abschluss wollen wir uns vielleicht gemeinsam irgendwo selbstständig machen", blickt Veronika Dreysse in die Zukunft.
Ihre Arbeit in der Werkstatt von Wolfram Ries beinhaltet vorwiegend die Reparatur beziehungsweise das Spielfähigmachen von Instrumenten. Zu Hause in ihrer Wohnung habe sie allerdings eine eigene kleine Werkstatt, in der sie vor allem Instrumente neu baut. "Gegenwärtig baue ich eine Bratsche und eine Geige. Auch für ein Cello habe ich einen Auftrag", erzählt sie. Zudem hat sie das eigene Musizieren nie aufgegeben. Sie spielt leidenschaftlich gern Geige im Akademischen Orchester und in einem Quartett, das sich aus dem Orchester herausgebildet hat.