Ausstellung Ausstellung : Burghard Aust zeigt Schau "Scomber Mix"

Halle/MZ - Ein Comeback jagt das andere - auf den Tellern des Ostens: Die „Tote Oma“ ist wieder da und das Jägerschitzel ebenso, der Ost-Brotaufstrich „Nudossi“ wird von vielen inzwischen den einstigen Westpaket-Schoko-Creme-Sorten souverän vorgezogen - und nun gibt es also im Supermarkt auch wieder „Scomber Mix“ - jene DDR-Dosen-Fischmischung „mit wenig Fisch und viel Geschmack“, die für manches hiesige Landeskind allerdings allein schon Grund genug gewesen wäre, die 1989er-Revolution anzuzetteln, um sich von derlei Küchenkompromissen zu befreien oder dauerhaft ins Reich der Garnele oder wenigstens der Ölsardine zu emigrieren.
Der Künstler Burghard Aust hat sich von dieser legendären Gemüse-Fisch-Mischung mit dem damaligen Schwerpunkt Gemüse jetzt inspirieren lassen - und seine neue Schau „Scomber Mix“ genannt.
Soeben hat die Ausstellung beim Kunstverein „Fünf Sinne“ begonnen - und zeigt natürlich ihrem Titel gemäß auch einen Mix: Freilich mit noch weniger Makrele drin, als sie in Austs Jugend hierzulande in die Dose durfte. Der Künstler mixt auch diesmal alles, was die breite Palette seines Werks und seiner Kreativität hergibt. Große und kleine Bilder in Öl, viele Linolschnitte diesmal und Siebdrucke, serielle Arbeiten zum Thema „Sternzeichen“ oder „Traumfrauen“ - und einige Blätter sind wieder in sich selbst ein Mix: gänzlich makrelenfrei zwar, aber sonst aus allerlei zuweilen schwer definierbar Dinglichem bestehend - allem also, was ihrem Schöpfer auch nur irgendwie kunstwerkbestandteilstauglich erscheint. Denn Burghard Aust ist ein Meister der Mischtechnik.
Die Schau „Scomber Mix“ zeigt auch etwas, das in Austs Arbeiten inzwischen stärker hervortritt: eine Liebe zum Maritimen: Seestücke, die meditative Sehstücke sind und sich damit in die Tradition berühmter „Strandbilder“ hallescher Künstler einfügen. Und auf einer Küstenlandschaft zeigt Aust sogar, wo jene Makrele wohl gefangen wurde, die mit Erbsen und Gemüse-Sauce gestreckt einstmals so unzählige Büchsen zu füllen hatte. Jene gestreckte Makrele, nach der wir heute wieder solche Sehnsucht haben, weil dieser Scomber-Mix uns zeigt, wie selbst mit einfachsten Zutaten Gutes entstehen kann. Oder gar Edles, wenn man nur eine Zauberformel kennt: wie Burghard Aust für seinen „Scomber Mix“.
Wie diese Zauberformel lauten könnte, hat bei der Vernissage übrigens der in Venedig lebende hallesche Künstler Andreas Kramer verraten. Austs Kunst sei wie Alchemie, sagt er: „Aber immer lächelnd und mit viel Poesie“.
Die Schau läuft in der Lerchenfeldstraße 15 und ist werktags zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet.
