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Auf Weg zur Kreativ-Meile

Von SILVIA ZÖLLER 13.06.2010, 18:01

HALLE/MZ. - Trendy, alternativ, kreativ - so präsentiert sich heute die Ludwig-Wucherer-Straße am Rande des Paulusviertels. Egal ob man eine Galerie, einen vegetarischen Imbiss, einen Nobel-Second-Hand-Laden oder ein Musikcafé sucht, hier wird man fündig. Bunte Tattoos kann man sich in der Straße ebenso stechen lassen wie Hopfenblüten für ein ausgedehntes entspannendes Bad kaufen. Die "LuWu", nach der Wende die Straße mit den meisten Bauruinen in Halle, hat sich zu einer Kreativ-Meile gemausert.

"Die LuWu war die hässlichste Straße Deutschlands", frotzelt Ronald Maibaum, der in der Hausnummer 28 den Kräuterladen "Ketama - Die Kräuterhexe" betreibt. Dennoch siedelte sich der 38-Jährige schon vor zehn Jahren dort an: "Ich habe das Potenzial der Straße zeitig wahrgenommen." Denn wer sich von Maibaum beraten lässt, bringt auch Zeit und Ruhe mit - Kunden in Innenstadt-Läden seien dagegen auch wegen der Parkplatzgebühren ständig unter Zeitdruck. Aber auch der Mietpreis war für Maibaum entscheidend, ein Ladenlokal in der LuWu zu suchen: "Damals waren die Preise in der kleinen Ulrichstraße ein Drittel höher."

Und das Argument ist heute noch entscheidend. Erst im April eröffnete Sven Dietrich in der Nummer 19 eine ungewöhnliche Kombination eines An- und Verkaufs von Gitarren mit einem Café, in dem man auch Gitarrenunterricht erhalten kann - vor allem wegen der günstigen Miete zwischen Steintor und Reileck. Auch wenn Dietrich noch nicht viel geworben hat für seinen "Musikladen", so ist der Gitarrist der Cross-Over-Band "Ragemachine" zufrieden: "Viele Musikerkollegen kommen vorbei, ich kann mich nicht beklagen."

"Ein Laden in der Stadtmitte ist unerschwinglich", sagt auch Bettina Fischer, die in der Nummer 43 den Filz-Laden "Wunder Werke Wolle" betreibt. Fast ein Jahr lang hat sie nach einem passenden Laden für ihre handgefilzten Taschen, Hüte und Schals gesucht, bis sie fündig wurde. Dabei war auch die Entwicklung der LuWu für die 43-Jährige ausschlaggebend: "Ich habe schon von vielen Kunden gehört, dass sie sich über die Entwicklung der Straße freuen." Umgekehrt freuen sich aber auch die Kreativen über die Ansiedlung eines jeden neuen Geschäfts. "Der eine belebt den anderen", ist sich Grit Weigmann vom Stoffladen "Patch & Work" sicher. Denn die Kunden entdecken nebenan den nächsten interessanten Laden. Mancher hat mit seiner Geschäftsidee längst über Halle hinaus Kunden gefunden - wie etwa Rüdiger Franke mit seinem Tattoo-Laden "Alcatraz". Im Erdgeschoss seines Geschäfts hat sich Elvira Schinschke angesiedelt, die Kunden für Körperabformungen in ganz Sachsen-Anhalt hat. Ihr bedeutet die Ludwig-Wucherer-Straße viel: "Das Ambiente ist toll. Hier finde ich meine Inspiration."