AfD-Kandidat mit viel Zuspruch AfD-Kandidat mit viel Zuspruch: Überraschung bei Wahl zum Stellvertreter im Stadtrat

Halle (Saale) - Die neue Legislaturperiode des Stadtrats hat gerade erst begonnen, und schon gibt es Diskussionen. Als der zweite Stellvertreter der Stadtratsvorsitzenden Katja Müller (Linke) am Mittwoch gewählt wurde, brachte die AfD überraschend den Kandidaten Martin Sehrndt (AfD) ins Spiel – und machte damit der Grünen-Kandidatin Rebecca Plassa Konkurrenz.
Noch überraschender war das Ergebnis der geheimen Abstimmung: Plassa gewann zwar mit 38 Stimmen, Sehrndt erhielt jedoch 15 Stimmen und damit acht Stimmen mehr als es AfD-Stadträte gibt. Nun stellt sich die Frage, wer die Rechtspopulisten den Grünen vorzieht.
Grüne Stadträtin: „Wir waren nach der Abstimmung enttäuscht“
„Wir waren nach der Abstimmung enttäuscht“, sagt Melanie Ranft, eine der beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen. Schließlich stehe der Fraktion als drittstärkste Kraft im Stadtrat nach Linke und CDU der zweite Stellvertreterposten zu. Die Fraktion habe auch Andreas Schachtschneider (CDU) als ersten Stellvertretenden akzeptiert. „Das war eine Klatsche für uns. Hoffentlich ist das kein Zeichen für die zukünftige Zusammenarbeit im Rat“, sagt Ranft.
Könnte der Zuspruch für den AfD-Kandidaten nach der Debatte auf Landesebene um eine mögliche Kooperation von CDU und AfD aus den Reihen der Christdemokraten gekommen sein? Laut dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Andreas Scholtyssek habe es im Vorfeld dazu keine Absprache gegeben.
AfD-Fraktionsvorsitzender: „Wir haben uns über das Abstimmungsergebnis gefreut.“
Wie die einzelnen Fraktionsmitglieder abgestimmt haben, könne er nicht sagen. Im Gegensatz zu den Grünen schließt die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht gänzlich aus. „Das ist eine komplizierte Gratwanderung. Aber in der Lokalpolitik müssen Sachthemen entscheiden“, sagt Scholtyssek.
Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Raue ist positiv gestimmt: „Wir haben uns über das Abstimmungsergebnis gefreut, auch wenn noch Stimmen für das Amt gefehlt haben.“ Die Partei wollte mit dem spontanen Vorstoß abschätzen, ob sie überhaupt Unterstützung von Stadträten anderer Fraktionen bekommt. (mz)