Sehenswertes aus zweierlei Sicht
HETTSTEDT/MZ. - Jetzt konnte Vereinsvorsitzender Harald Illmer die Malerin Simone Koch vorstellen, deren Bilder in Öl, Acryl und Airbrush auf Leinwand die Wände schmücken. Etwas hier bisher nie Dagewesenes ist die Ausstellung von Klaus-Dieter Dobroschke mit seiner einmaligen Sammlung von Streichholzschachtel-Etiketten, aus deren Inhalt er markante Hettstedter Gebäude nachgebaut hat.
"Wir haben wieder mal was Neues versucht und hoffen, es gefällt Ihnen", so Illmer. Die 43-jährige Simone Koch sagt von sich selbst, sie sei Autodidaktin. Gemalt habe sie von Kindesbeinen an, war dann aber nicht so recht mit sich zufrieden, so dass sie nach der Wende ein entsprechendes Fernstudium in Halle aufnahm, um sich in der Malerei zu vervollkommnen. Und das hat sich gelohnt. Dem Betrachter fallen zwei Bilder, gemalt in Öl auf Leinwand, besonders ins Auge: In vielen Blautönen gehalten sieht man einen klaren Himmel und ein fast die gesamte Leinwand füllendes Gewässer in vielen Blau-Schattierungen, und aus den sanften Wellen hebt sich ein einsames Segelboot mit weißen Segeln ab. Wer denkt da nicht an Sommer, Sonne und Urlaub?
Das Gegenstück daneben zeigt, dass die gleiche See auch gefährlich werden kann: Der Sturm treibt das aufgewühlte Wasser bis in die Höhe eines einsamen Leuchtturms. Der Betrachter wähnt sich am Mittelmeer, doch stellen die Bilder Szenen an der Ostsee dar, ist von der Malerin zu erfahren. Drei in kräftigen Farben gehaltene Motive erkennt der einheimische Betrachter sofort: Da führt eine Steintreppe zur Gangolfkirche, der Kunstzuckerhut ist aus der Perspektive von der Wipper her zu erkennen, das dritte Bild stellt den Kirchturm von St. Jakobi dar.
Unter diesen Gemälden stehen quasi als Gegenstücke die Kunstwerke Dobroschkes: Das Hettstedter Rathaus, der Kunstzuckerhut und das Saigertor aus vielen Tausend Streichhölzern in vielen Stunden Arbeit maßstabgerecht nachgebaut. Der 75-jährige gelernte Maurer war zu dieser Kunst durch seine Sammelleidenschaft für Streichholzschachtel-Etiketten gekommen, die im kleinen Nebenraum des Kunstzuckerhutes zu bewundern sind.Er begann, Modelle von Gebäuden seiner Heimatstadt nachzubauen. Und damit sie auch maßstabgerecht wurden, suchte und fand er Unterstützung beim Bauamt der Stadt. "Die Wendeltreppe zum Saigertor hat 25 Stufen im Original, und so viele hat sie auch bei meinem Modell", erklärt er mit berechtigtem Stolz. Auch bei dieser Ausstellungseröffnung blieb der Verein des Kunstzuckerhutes der Tradition treu, mehrere Kunstrichtungen miteinander zu verbinden. So gab es wie stets neben dem Augen- auch einen Ohrenschmaus: Eingeleitet von der Eurovisionsfanfare, boten die Syldaer Brüder Florian und Sebastian Zobel, 14 und 19 Jahre jung, ein kleines Konzert auf dem Keyboard dar mit Werken von Bach und Händel.