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Mansfeld-Südharz Mansfeld-Südharz: Laster bringen Anwohner um den Schlaf

Von BURKHARD ZEMLIN 14.07.2010, 19:01

SIERSLEBEN/MZ. - Schlaf in der Nacht nicht mehr zu denken ist. "Wir kriegen hier alle eine Malle", sagte Marianne Kurth sarkastisch, die im Ort zu jenen gehört, die Widerstand gegen den, wie sie es ausdrückt, "unerträglich gewordenen Lkw-Verkehr" organisiert und Unterschriften gesammelt gesammelt hat, weil ihr klar ist, dass einer allein nichts erreichen würde.

Das Aufbegehren der Bürger hatte zur Folge, dass in dieser Woche Abgesandte des Landesbetriebes Bau, des Straßenverkehrsamtes der Kreisverwaltung, der Verkehrspolizei und anderer Ämter nach Siersleben kamen, um sich selbst ein Bild zu machen. Die Bürger zeigten ihnen einen abgesackten Kanaldeckel mitten auf der Straße, der auf den fließenden Verkehr wie ein Schlagloch wirkt. "Jedesmal, wenn ein Lkw drüber fährt, springen wir aus den Betten", erregte sich ein Anwohner und verlangte: "Das muss unbedingt gemacht werden!"

Seine Worte waren kaum verklungen, da rumste es laut. Ein 40-Tonner hatte den Kanal voll erwischt. "Das ist es, was die Leute nachts aus dem Bett fallen lässt", wandte sich Ortsbürgermeister Lutz Sommer an den Abgesandten des Landesbetriebes Bau.

Kein Zweifel, dieser Kanaldeckel muss gehoben werden, war man sich in der Runde einig, wenngleich dem Vorschlag des Ortsbürgermeisters, die Straße während der Reparatur zwei Tage voll zu sperren, keiner folgen wollte. Das wäre nicht zu bezahlen. "Aber es wäre politisch wirksam", versetzte Sommer, der auf einen Ausweg drängt, weil die derzeitige Lage einfach unzumutbar sei für die Bürger. Nicht allein wegen des Lärms und der Erschütterungen. "Die Lkw fahren die Dachrinnen ab", sagte Hans-Joachim Kurth, der auch auf die Gefahren für Fußgänger hinwies. Weil sich einfach zu viele Lkw durch den Ort drängen, die von der A 14 bei Plötzkau den kürzesten Weg zur Bundesstraße 180 und zur A 38 bei Sangerhausen suchen. Umgekehrt sieht es nicht anders aus, wobei alle das Nadelöhr Siersleben passieren müssen.

Die Lastzüge kommen im Minutentakt, nicht selten im Konvoi. Etwa 2000 schwere Fahrzeuge jeden Tag. Sie kommen auch aus Richtung Aschersleben über Klostermansfeld und Thondorf, obwohl diese Straße ab Klostermansfeld eigentlich für Lkw gesperrt ist. Ortsbürgermeister Lutz Sommer wünschte sich hier mehr Kontrollen seitens der Verkehrspolizei.

Wieder poltert es so laut, dass die Teilnehmer der Beratung zusammenzucken. Diesmal ist ein Lastzug mit hoher stählerner Wanne und einem ebenso hohem, aber leerem Hänger durch das Loch gebrettert. "Wenn sie leer sind, polterts, wenn sie voll sind, gibt es Schwingungen", kommentierte Maik Witzke, der aber nur wenig Hoffnung hat, dass sich das ändern wird. Von einer verfehlten Verkehrspolitik war die Rede. "Die hätten die Bahn ausbauen müssen und nicht alles auf die Straße verlagern sollen", ließ sich jemand vernehmen. Oder man hätte, wenn man schon auf den Lkw-Verkehr setzt, konsequent sein müssen und hätte die A 71 nicht auf Eis legen dürfen. Die Folgen seien nicht nur für Siersleben belastend.

Jutta Halle, stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes der Einheitsgemeinde Gerbstedt, sagte, dass es in Welfesholz ähnliche Klagen gebe. Allein eine Umgehungsstraße könnte Abhilfe schaffen. Diese ist im Landesverkehrswegeplan "im vordringlichen Bedarf" enthalten, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Allerdings: "Aufgrund der Vielzahl prioritärer Maßnahmen und der knappen Haushaltsmittel konnte eine Planung bislang nicht aufgenommen werden."