Königin wartet auf Hartz IV
Hettstedt/MZ. - Diese Chance aber hat sich für sie bisher noch nicht ergeben. Mehr noch: Sie leidet wirtschaftliche Not.
Mit 150 Euro muss die junge Volkstedterin gegenwärtig auskommen. Da sie nach Abschluss ihrer Ausbildung als Bürokauffrau vor zwei Jahren keine Anstellung in ihrem Beruf fand, ist ihr Arbeitslosengeld lediglich nach dem Lehrlingslohn bemessen. Zwar erhielt sie zusätzlich Hartz-IV-Zahlungen, so dass ihr monatliches Salär auf insgesamt 630 Euro aufgestockt wurde, womit sie auch die Miete für ihre eigene Wohnung (290 Euro warm) zahlen konnte. Doch nach einem zwischenzeitlich absolvierten dreimonatigem Praktikum sieht es jetzt anders aus.
Seit Anfang Juli hat sie wieder nur ihr Arbeitslosengeld. "Ich habe zwar erneut Hartz IV beantragt, doch das dauert", sagt die junge Frau. Handicap sei der neue Mietvertrag, den sie der Arge vorlegen soll, denn vor kurzem hat der Vermieter gewechselt. Dazu sei sei aber nicht in der Lage, weil die Vermieterin als Landwirtin gegenwärtig keine Zeit habe, sich um solche Formalien zu kümmern. "Sie ist voll in der Ernte", weiß Sabine Enke, deren 44-jährige Mutter und 24-jähriger Bruder ebenfalls auf Hartz IV angewiesen sind. Doch das Verständnis hilft ihr nicht, die Arge bleibt in diesen Dingen hart.
Klaus Thormann, stellvertretender Geschäftsführer der Arge, den die MZ dazu befragte, erklärt die Gesetzeslage. "Tritt beim Mietverhältnis eine Veränderung ein, muss der neue Mietvertrag vorgelegt werden", sagt er. Ohnehin werde Arbeitslosengeld II im Regelfall ja ohnehin nur in zeitlichen Abschnitten wie sechs, neun oder zwölf Monate gewährt. "Wenn der Bewilligungsabschnitt abgelaufen ist, dann ist eine neue Beantragung notwendig", erklärt er das Prozedere. "Der Fall muss ganz neu eingegeben werden", verweist er auf die erforderliche Computerarbeit.
Doch zeigt er Verständnis. "Wir wollen nicht, dass es sich lange hinzieht, es könnte ja sein, dass der Arge-Kunde vielleicht schon mit seiner Miete im Rückstand ist."
Genau in dieser Situation befand sich die junge Frau. Die Arge bewilligte ihr deshalb eine Überbrückungs-Summe von 500 Euro, die sie in der vergangenen Woche erhielt. "Viel lieber würde ich aber arbeiten gehen", bekräftigt die Ex-Zwiebelkönigin, die am kommenden Samstag gemeinsam mit Bürgermeister Jürgen Lautenfeld und einem Vertreter des Wirte-Vereins einen Auftritt in Bernburg haben soll. "Da habe ich als Zwiebelkönigin so viele Chefs kennen gelernt, aber niemand hatte einen Job für mich."