Fachkräftemangel in Mansfeld-Südharz Fachkräftemangel in Mansfeld-Südharz: Arbeitsagentur fördert Weiterbildungen

Erdeborn - Die Hauptperson blieb wegen Prüfungsvorbereitungen dem Pressegespräch in der Erdeborner Heizungs- und Sanitärfirma Temm fern. René Kunstmann ist 38 und gelernter Dachdecker.
Bald wird er aber auch Anlagenmechaniker für Heizung, Sanitär und Klima sein, weil er aktuell über seinen Erdeborner Arbeitgeber und mit Unterstützung der Arbeitsagentur eine Weiterbildung absolviert.
„René Kunstmann war ein Kunde von uns. Wir haben bei ihm gearbeitet und dort gesehen, dass er viel schon in Eigenleistung gebaut hat. Und auch in guter Qualität. Da haben wir ihn einfach gefragt, ob er sich vorstellen kann umzusatteln. Und er konnte.“
Oliver Temm grinst ein wenig spitzbübisch, als es diese Geschichte erzählt.
Kleine Firmen wie die seines Vaters, die er Anfang kommenden Jahres übernehmen will, müssen sich etwas einfallen lassen, um Fachkräfte für sich zu gewinnen.
Fachkräftemangel macht Unternehmen zu schaffen
Sechs Monteure, ein Projektingenieur, eine Fachkraft im Büro und der Chef arbeiten in der Erdeborner Firma. „Wir suchen qualifizierte Leute. Dafür gehen wir an Schulen und werben für uns, aber wir sind auch bereit, gewerkefremde Fachkräfte einzustellen.
Es ist uns egal, was derjenige vorher gemacht hat, wenn er goldene Hände und den Willen dazu hat, dann kann er alles lernen“, sagte Temm.
Nicht nur der Dachdecker mit dem Händchen für Sanitärinstallation bildet sich aktuell in der Firma Temm weiter, auch der Juniorchef selbst drückt die Schulbank.
„Ich bin zwar Ingenieur, aber um die Firma meines Vaters übernehmen zu können, brauche ich noch etwas Know-how, das ich bei der Handwerkskammer bekomme.“
Digitalisierung im Arbeitsalltag
Und zwei Mitarbeiter der Firma, die bislang Anlagenmechaniker im Rohrleitungsbau sind, qualifizieren sich gerade. „Die beiden sind Spezialisten. In einer kleinen Firma braucht man aber Generalisten“, erklärte Temm.
Und überdies müsse man sich immer besser in der digitalen Welt auskennen, so Temm, der von interaktiven Badspiegeln schwärmte und Armaturen, die per Fernbedienung das Badewasser einlaufen lassen. Dafür müsse man aber auch qualifiziertes Personal haben, dass sich damit auskenne.
Arbeitsagentur fördert lebenslanges Lernen
Unterstützt werden Firmen, die ihre Mitarbeiter qualifizieren wollen, durch die Agentur für Arbeit. „WeGebAU“ heißt das spezielle Förderprogramm zur Weiterbildung von Beschäftigten.
2016 habe die Agentur in Mansfeld-Südharz Firmen bei der Qualifizierung von 46 Beschäftigten mit insgesamt 300.000 Euro unterstützt.
Im kommenden Jahr sollen es 70 Förderfälle sein und man wolle 650.000 Euro insgesamt investieren, sagte Martina Scherer, die Leiterin der Agentur für Arbeit in Sangerhausen.
„So wollen wir das lebenslange Lernen unterstützen, das heutzutage auf dem Arbeitsmarkt erforderlich ist“, so Scherer.
Damit seine Fachkräfte der Firma auch treu bleiben, will Juniorchef Temm verstärkt Augenmerk auf die sogenannten Softskills legen. Familie und Beruf , auch betriebliche Altersvorsorge müsse sein.
„Ich muss etwas tun, sonst kann ich nicht gegen die Personalstaubsauger, also große Firmen, ankommen, die uns Kleinen die Fachkräfte abwerben.“
(mz)