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Experimentieren mit Farbe

Von Gudrun Riedel 30.06.2008, 17:06

Seeburg/MZ. - Staffeleien, Farbpaletten, Papier, Pappen und Kartons vermittelten den Eindruck: die zwölf Teilnehmer im Alter von 14 bis 69 Jahren nehmen ihre Sache ernst, ein Wochenende sich harmonisch-einvernehmlich ganz der Kunst zu widmen und die Technik Imprimitur mit Weisshöhung zu erlernen. Hans Denecke, Jahre als Kunsterzieher tätig gewesen und Leiter des Künstleraufenthalts 2008, verwendet seit Jahren diese aus dem 16. Jahrhundert stammende Technik: die Leinwand mit einer Grundfarbe zu untermalen durch die dann die aufgetragenen Farbschichten durchleuchten.

Wie er selbst dazu sagte, wurde diese besondere Grundierungstechnik von dem holländischen Maler Peter Paul Rubens in seiner Malwerkstatt angewandt und fand in dem deutschen Maler und Grafiker Prof. Werner Tübke u. a. in seinem großen Panoramabild "Bauernkrieg" seine kreativ-schöpferische Fortsetzung. Besonderen Wert legte Denecke als Unterweisender darauf, nur helfend bei den künstlerischen Ausführungen einzugreifen und darauf zu achten, dass jeder Teilnehmer - trotz der thematisch-inhaltlichen Vorgabe des Pleinairs - seine eigene Art des Malens beibehält und seinen persönlichen Spaß am Experimentieren mit Farben und Formen entwickelt.

Die Freude künstlerischer Selbstverwirklichung war bei den Schülerinnen des Martin Luther-Gymnasiums Henriette Richter, Jeanette Schmidt, Elisa Hergl, Charlotte Bastian und Franziska Linden-Schagen sehr zu spüren, die äußerst aufmerksam und lernbereit um eine Verbesserung ihrer malerischen Veranlagungen rangen. Diese künstlerisch Begabten waren sich einig, von den älteren Hobbymalern viele gestalterische Grundlagen erfahren zu haben und werden die neuen Techniken künftig für sich verwenden. Dankbar waren sie auch, dass ihre Kunsterzieherin Frau Gürtler sie für diesen Maleraufenthalt interessiert hatte.

Die erst 14-jährige Charlotte Bastian überzeugte in der Ergebnisausstellung mit einem gelungenen kleinformatigen Bild "Boote". Die prallen, harmonischen Farben brachten nicht nur Tiefe ins Bild, mehr noch, sie vermittelten eine Frische, die äußerst angenehm wirkte. Eine interessante Umsetzung des Arbeitsthemas war die Lösung der Keramikerin Silvia Richter-Rehberg. Mit dem Torso einer Frau, der den Witwenturm und das Schloss Seeburg im Arm hält, macht sie darauf aufmerksam, welche Rolle die Frau, im besonderen die Witwen, vor Jahrhunderten in der Gesellschaft spielten.

Beeindruckt zeigte sich auch Hans-Jürgen Küster (68) aus dem Saalekreis. "Ich bin froh, hier gewesen zu sein, denn ich habe von einem Fachmann viel gelernt und werde es anwenden, das alles hat mir hier gut gefallen". Natürlich haben so gestandene Maler wie Steffen Schneider, Gunter und Dieter Raufeisen, Horst Meissner, Vera Damm oder Manuela Dering das Pleinair mit ihren langjährigen Erfahrungen auch genutzt, sich auszutauschen und gegenseitig über die Schulter zu schauen.

Horst Meissner brachte es mit seiner Feststellung auf den Punkt "Wir sind alle hier, um zu lernen und das was wir können auch anderen zu vermitteln". Ein guter Grundgedanke der künstlerischen, pfleglichen- kollegialen Zusammenarbeit, der nach einer Weiterführung dieser schöpferischen Gemeinschaftsarbeit verlangt.