Äste stoppen eine Flaschenpost nach Amerika
WELBSLEBEN/MZ. - Dabei hat er schon so manche Flasche aus dem Bach gefischt, bis ihm jetzt ungefähr 500 Meter vor Westdorf eine in die Hände fiel, die ihn stutzig werden ließ.
Um ein Haar hätte er sie nämlich wie die anderen, die sich dort im Geäst angesammelt hatten, entsorgt, aber dann entdeckte er, dass sie einen Zettel enthielt, der allerdings schon etwas nass geworden war. Eberhard Przybilla hatte tatsächlich eine Flaschenpost gefunden. Er trocknete den Zettel und machte sich ans Entziffern. Bald wusste er, dass es sich um die Botschaft zweier zehnjähriger Mädchen aus Hettstedt handelte, die diese im Juni 2005 in Alterode auf die Reise geschickt hatten, in der Hoffnung, dass das Wasser sie über Harkerode und Welbsleben hinaus in die große weite Welt treiben würde, vielleicht sogar bis über den Atlantik nach Amerika.
Der Naturfreund war so gerührt, dass er sich bemühte, mit den Absendern Kontakt aufzunehmen, um ihnen mitzuteilen, wo ihre Flaschenpost gelandet war. Er konnte sich zwar kaum vorstellen, dass das gelingen würde, aber den Versuch war es ihm wert. Er hatte Erfolg und landete schließlich telefonisch in Hettstedt bei den Großeltern eines der Mädchen. Ihnen erklärte er, was Sache war und schickte bald darauf die Flasche an den Absender mit einem Brief zurück, in dem er bedauerte: "Tut mir leid, dass die Flasche nicht in den USA gefunden wurde, sondern in der Nähe von Westdorf." Unterschrift: "Euer Flaschengeist".
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. "Wir finden es sehr lustig, dass jemand nach so langer Zeit unsere Flaschenpost gefunden hat", schrieben Sarah und Julia, die sich kaum noch an ihre Post erinnern konnten. Beide bedankten sich bei dem Finder für dessen Mühe und meinten abschließend: "Natürlich ist es schade, dass die Post nicht in den USA gelandet ist, aber es ist ja schon ein Wunder, dass jemand die Flaschenpost entdeckt hat. Einen netteren Flaschengeist hätte man sich nicht wünschen können."