Annekathrin Bürger in Eisleben Annekathrin Bürger in Eisleben: Die Liebe und die große Mimin

eisleben - Kann denn Liebe giftig sein? Wenn ja, wirkt dieses Gift tödlich? Nicht unbedingt, denn wie bei manch anderen Giften kommt es auch hier auf die Dosis an.
Diesen und ähnlichen interessanten Fragen ging Annekathrin Bürger in ihrem Programm „Liebe ist das schönste Gift“ am Sonntagnachmittag im ausverkauften Foyer des Eisleber Theaters nach.
Annekathrin Bürger gehört im Osten Deutschlands zu den bekanntesten Gesichtern. Allein über die Titel in ihrer Filmographie könnte man Bücher schreiben. Zusammengearbeitet hat sie mit Regisseuren wie Castorff und Pollesch. Aber an dieser Stelle soll es um die andere Bürger gehen: die, die singt und rezitiert.
Annekathrin Bürger wurde 1937 als Annekathrin Rammelt in Berlin geboren. Bürger absolvierte eine Ausbildung zur Werbegestalterin und arbeitete als Requisiteurin und Statistin am Stadttheater in Bernburg. Nachdem sie vom Regisseur Gerhard Klein für den Film entdeckt worden war, studierte sie von 1957 bis 1960 an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam.
In der Zeit von 1959 bis 1960 war sie am Deutschen Theater in Berlin engagiert, danach am Theater der Bergarbeiter Senftenberg. Von 1963 bis 1965 war sie Mitglied des DFF, von 1965 bis 2003 Mitglied des Ensembles der Volksbühne Berlin. Daneben spielte sie zahlreiche Rollen in Filmen der DEFA und des DFF. Von 1990 bis 1997 war sie Vorsitzende der Nationalen Bürgerbewegung. 1993 gründet sie mit ihrem Mann den Verein „Waisenkinder am Don“. Bürger war nach einer Verbindung mit dem Schauspieler Ulrich Thein seit 1966 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 mit ihrem Kollegen Rolf Römer verheiratet.
Dieses poetische Konzert am Nachmittag ist alles in allem eher ungewöhnlich. In erotisches, mit vielen Rottönen gespicktes Bühnenlicht getaucht, steht eine charmante 78 Jahre junge Lady im eleganten Kleid mit rotem Chasuble. Sie rezitiert und singt mit einer markanten Altstimme Liebeslieder. Die Gesangsstimme ändert sich im Laufe eines Lebens. Das ist nicht immer, aber manchmal wie bei einem guten Rotwein - Er altert nicht. Er reift. Die trainierte menschliche Gesangsstimme wird genau jetzt interessant, ja einzigartig. Sie repräsentiert das ganze Leben ihres Besitzers, seine Ecken und Kanten im Spiegel seiner Persönlichkeit. Und genau das ist bei Annekathrin Bürger der Fall. Texte von Gisela Steineckert sind da schon fast ein
Pflichtprogramm. Die Titel in ihrem Programm allein sagen fast schon alles: „Du sollst mir nichts verweigern“, „Ein Tropfen Gift“, „Ich möchte versuchen nie mehr zu lieben“, „Meine dünnere Haut“ oder „Ich will ein Halbes nicht“. Es geht nicht um die Leichtigkeit der Liebe in der Jugend. Es geht um Reife und gelebte Liebe der späteren Jahre.
Sie macht neugierig, die Bürger. Man hängt einfach an ihren Lippen in der Erwartung, was sie zu sagen hat. Und sie liefert ein kleines, aber ganz feines Programm, gefüllt mit viel Poesie. Musikalisch begleitet wurde sie von Fred Symann am Keyboard und Christian Georgi. Symann studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin Klavier/Jazz, Cembalo an der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar und an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1986 ist er freischaffend als Studio- und Theatermusiker tätig.
Georgi der neben Altsaxofon, Sopransaxofon und Querflöte ein Instrument aus einem Koffer holte, das man nicht so oft auf der Bühne zu sehen bekommt: Einen Blaswandler. Auf den ersten Blick sieht das Instrument aus wie eine Art Klarinette und es wird auch ähnlich gespielt. Das war es dann aber auch, denn der Blaswandler gibt keinen einzigen Ton von sich, sondern er braucht dazu ein Keyboard oder einen Synthesizer und ersetzt deren Tastatur. Nun können die verschiedensten Instrumente imitiert werden. Georgi wählte unter anderem ein kleines verträumtes Akkordeon, was den aufmerksamen Zuhörer in Erstaunen versetzte ob der unerwarteten Töne.