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Zehn Jahre Bürgerblock Coswig Zehn Jahre Bürgerblock Coswig: Einstiges Anhängsel der FDP ist salonfähig geworden

Von Heidi Thiemann 26.03.2004, 17:09

Coswig/MZ. - Der Coswiger Rechtsanwalt Martin Richter erinnert sich noch lebhaft, wie er von seinem Stadtallendorfer Kollegen Wienand Koch beim Besuch in der Partnerstadt erstmals von einem Bürgerblock hörte. Der bildete mit der FDP eine gemeinsame Liste und versammelte quasi alle Mitstreiter, die keiner Partei angehören, aber Kommunalpolitik mitgestalten wollten. Perfekt, habe er gedacht: "Das war die Geburtsstunde unseres Bürgerblocks."

Zur 94er Kommunalwahl trat in Coswig erstmals der Bürgerblock an - auf einer gemeinsamen Liste mit der FDP. Damals reichten die Stimmen noch nicht für den Sprung ins Stadtparlament. Doch dank Hans-Jürgen Bellrich und Manfred Wricke (beide FDP) waren die Bürgerblock-Bewegten immer im Bilde, was im Stadtrat besprochen und diskutiert wurde, da gemeinsam Mitgliederversammlungen abgehalten wurden.

Die Zusammenarbeit damals wie heute, lobt die Dreierrunde, sei sehr gut. Und doch ist der Bürgerblock, der ein Jahr nach seiner Gründung eingetragener Verein wurde, aus dem Schatten der Partei herausgetreten, war nicht mehr "Anhängsel". "Wir hatten teilweise andere Standpunkte, keine parteipolitisch bezogenen", begründet Günter Stoß, der seit 1996 dem Bürgerblock angehört und heute erster Vorsitzender ist. "Wir sind überparteilich."

Bei der Kommunalwahl 1999 trat der Bürgerblock erstmals mit eigenen Kandidaten an, verweist Klaus Herzog. Mit auf Anhieb erreichten 12,6 Prozent der Wählerstimmen wurde der Bürgerblock viertstärkste Kraft im Parlament. Dass später einer der drei Gewählten zur FDP wechselte, daraus habe man jedoch nie ein Thema gemacht, ergänzt Günter Stoß.

Stadtrat Stoß, findet Richter, "hat den Bürgerblock salonfähig gemacht". Mit Sachkunde bringe er sich ein und mache auf Probleme aufmerksam. "Wir sind nicht gegen etwas, sondern für etwas", bedeutet Martin Richter - für eine gute Entwicklung der Stadt. Und dabei vertrete der Bürgerblock eine "konsequente und knüppelharte Haltung.

Als Neulinge seien sie belächelt worden, Michael Wojna, der dem Sozialausschuss vorsteht, und er, blickt Günter Stoß zurück, "doch wir haben uns nicht entmutigen lassen". Und er findet: "Mittlerweile hat unsere Stimme deutlich mehr Gewicht bekommen." Und eben, weil dem Bürgerblock die Probleme vor der Coswiger Haustür so wichtig seien, würden diese auch von ihm im Stadtrat thematisiert. Die Millionenverluste durch die Schaffung von Gewerbeflächen und vor allem der städtische Haushalt zählen dazu.

"Wir verkennen nicht, dass es die Gemeinde schwer hat", sagt Klaus Herzog. Doch dem Bürgerblock missfalle, dass die Schraube immer nur beim Bürger angesetzt werde. Auch die Stadt selbst müsse den Gürtel enger schnallen.

Ein anderes Thema, das dem Bürgerblock wichtig ist: "Coswig", wird von den drei Männern am Tisch betont, "gehört in den Landkreis Wittenberg." Für die Lutherstadt sprächen kürzere Behörden- und Verkehrswege sowie ökonomische Zwänge.

Auch in der neuen Legislaturperiode wolle der Bürgerblock sich für die Anliegen und Bedürfnisse der Coswiger einsetzen. Konsequent wie bisher. "Manchmal werde ich gefragt, was der Bürgerblock denn erreicht hat", so Martin Richter. "Um etwas zu verändern, antworte ich dann, brauchen wir Mehrheiten." Und da setzt er auf die nächste Stadtratswahl im Juni.