Wrestling Wrestling: Das Publikum kreischt - Jungs bieten Super-Show
Coswig/MZ. - Samstagabend. Die Show kann beginnen. "Ich hatte richtig Angst. So viele Menschen. Wahnsinn." Jerome Lemke, eigentlich schon ein alter Hase im Wrestling-Geschäft, war diese Kulisse unheimlich. Über 200 Fans und Neugierige waren in der Halle. "Sonst hatten wir vielleicht 60 Zuschauer. Mehr auf keinen Fall."
Doch dieser Samstagabend ist anders. Die Gruppe JCW - Jugend Championchip Wrestling - bittet zur großen Show "Pain 2003".
"Es war schon ein besonderer Abend. Nicht nur wegen der vielen Zuschauer. Wir hatten ja zum ersten Mal einen Ring", erzählt der 17-jährige Dessauer. Gegen Mittag wurde er vom Verein Eurowrestling aus Berlin angeliefert, aufgebaut, so dass die Jungs noch ein paar Stunden Zeit hatten, sich mit den neuen Wettkampfbedingungen anzufreunden.
Früher hatten sie ihre akrobatischen Wurf- und Falltechniken auf Matten demonstriert. Das hier war eine andere Dimension, professioneller - und härter. "Es war ungewohnt, aber es hat sich niemand verletzt", versichert Jerome am Tag danach.
Bei diesen Kunststücken kaum zu glauben. Im Ring mimen alle die harten Jungs. Großmäulig sucht Jerome seinen Herausforderer für den Abend: Sven? Hagen? David? Robert? Robert. "Ich wollte es eigentlich nicht so leicht haben. Du hattest Deine Chance. Du hast sie verpasst." Und doch kriegt er eine neue: Robert, schlank, mit pechschwarzem Haar, trifft im Hauptkampf auf Jerome. Und um die Spannung ins Unermessliche zu steigern, steigt ein Dritter mit in den Ring: Sven, der spätere Sieger. Das Drehbuch will es so.
Bei aller Dramatik: Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Und auch der aus Berlin angereiste Ringrichter von Eurowrestling spielt mit. Was spektakulär aussieht, wird Woche für Woche einstudiert.
"Das Fallen ist nicht so schwer, wichtig ist, dass du immer alles im Blick hast, was im Ring passiert, wo dein Gegner gerade ist, was er macht." Jeremy, zwölf, ist der Bruder von Jerome und auch schon eine Weile dabei. Samstagabend besiegt er mit Unterstützung seines Zwillingsbruders Joey sogar den großen Bruder - wie geplant. Dass David Glöde nach seiner Niederlage die Haare verlieren sollte, auch das wusste er vorher. Die jugendlichen Zuschauer feiern die radikale Prozedur: Die Haare sind ab. Die Halle tobt. Und David leidet - scheinbar.
"Sie waren alle völlig ausgepumpt, aber total happy", erzählt Jeromes Vater, der das Geschehen im Ring und ringsherum mit der Kamera aufzeichnet.
Zwei Stunden Show und Sport. "Das muss sich erst noch zeigen, ob das Sport ist, was wir machen", meint Jerome Lemke beiläufig. Der Beitritt zu Blau-Rot Coswig ist daran vorerst gescheitert. Der Landessportbund prüfe derzeit, ob die Coswiger Wrestler Sportler sind oder nur eine Show bieten. Davon hängt ihr künftiger Status ab. Doch Jerome sieht all das gelassen. Er hat den Wahnsinn von Samstagabend noch nicht verdaut. "Er war einfach super, genial."