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Tradition in Dessau Tradition in Dessau: Besondere Grüße zu Neujahr

Von Heidi Thiemann 04.01.2014, 09:35
Karten im unverwechselbaren „Sprengel-Design“.
Karten im unverwechselbaren „Sprengel-Design“. Lutz Sebastian Lizenz

Dessau/MZ - „Immer einen festen Standpunkt haben“, wünschen Dorothea und Günter Sprengel für 2014. Eine fotografische Verzerrung ziert ihre Neujahrskarte, die an gut 50 Adressaten verschickt worden ist und wohl ein Schmunzeln bei allen hervorgerufen hat.

Mit dem Neujahr 2014 geht eine 50-jährige Tradition einher. Denn 1964 haben Sprengels erstmals Karten mit einem Neujahrsgruß erhalten. Diese Karte ist wie die 300 in den folgenden Jahrzehnten hinzugekommenen in einem Album verwahrt. Die aktuellen Jahreskarten hingegen hängen das ganze Jahr über am Schreibtisch. Noch sind nicht alle 2014er Grüße angekommen. „Die aus Japan und auch die vom Professor fehlen noch“, warten Sprengels voller Vorfreude auf Post. Denn die Karte aus Japan nimmt den weitesten Weg. Sie kommt von Yagi Yoshihiro, den Sprengels bei einem Ostsee-Urlaub kennengelernt haben. Seitdem verbindet die drei eine Freundschaft. Der Professor, von dem Sprengel spricht, ist hingegen der prominenteste unter den Neujahrskartenschreibern: Prof. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste.

„In Schwung bleiben“

Als Studenten am Institut für Kunsterziehung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald sind Dorothea und Günter Sprengel einst angeregt worden, Neujahrskarten zu gestalten. Ihre eigenen Karten von damals haben sie nicht mehr. „Wir hielten es nicht für wert, die Eigenproduktionen aufzuheben“, erklärt Sprengel, der wie seine Frau einst als Kunsterzieher an Dessauer Schulen tätig war. Erst ab 1986 haben die beiden ihre Karten aufgehoben.

Bis 1993 hatte Günter Sprengel eigene Schwarz-Weiß-Fotografien als Grundlage für die Karten-Gestaltung genommen, später waren es Farbfotografien. Nicht einfach hingegen war es, die Wünsche und originellen Sprüche zu integrieren. Mit Buchstaben zum Abreiben hat sich das Ehepaar geholfen. Besonders ihr sehr gelungenes 1995er Motiv vom Ostsee-Strand „In Schwung bleiben“ erinnert an den mühsamen Buchstabenauftrag.

Einen Computer hatten die beiden damals noch nicht. So wurde die fertig gestaltete Karte nochmals abfotografiert, damit sie vervielfältigt werden konnte. Diese Arbeit ist heute nun nicht mehr nötig. Sohn Christian, Diplomwirtschaftsinformatiker und Computerspezialist, hilft den Eltern bei der Fertigstellung am Computer.

Seit 2006 haben die Karten ein erkennbares „Sprengel-Design“. „Zuerst suchen wir die Fotos aus, dann den dazu passenden Text“, erzählt Dorothea Sprengel. „Nicht den Anschluss verlieren“ (2006), „Den Überblick behalten“ (2008), „Keine Angst vor großen Tieren“ (2011) oder auch „Immer in Kontakt bleiben“ (2012) wurde gewünscht.

Es gibt keine Erwartungshaltung

Obwohl Sprengels dutzende Karten verschicken, „erwarten wir nicht, dass ein jeder uns den Gruß erwidert“, erklärt Sprengel, doch weiß er, dass dem anderen eine Freude bereitet wird. Verwandte, Bekannte, ehemalige Kollegen, Studienfreunde, Künstler, Redaktionen, Fotofreunde aus den Gruppen Grimma, Köthen, Merseburg, Wittenberg, Coswig, Weferlingen, Dessau, ehemalige Schüler und auch Institutionen wie Gewerkschaft und Kulturbund hat das Ehepaar in diesem Jahr bedacht. „Unser Ziel ist es nicht, dass andere auch etwas Selbstgemachtes schicken“, so Günter Sprengel. „Doch wenn das erfolgt, ist die Freude groß!“ Und so gibt es in Sprengels Sammlung Fotos, Foto-Collagen, Federzeichnungen, Holz- und Linolschnitte, Siebdrucke, Radierungen und anderes. Manch Neujahrsgruß, wie Aquarelle, ist ein Unikat. Neben Karten gibt es auch Kalendergrüße, über die sich beide freuen.

Die für das Ehepaar am herausragendsten Karten sind die von Yagi Yoshihiro, der in jedem Jahr das japanische Tierkreiszeichen malt, sowie die Miniaturlandschaften des ehemaligen Studienkollegen Dr. Jochen Rögner und die Grüße von Prof. Klaus Staeck. Der Dessauer begegnete Staeck erstmals Mitte der 90er Jahre. Seitdem stehen beide in Kontakt. Und Sprengel freut sich über dessen sozialkritische Neujahrsgrüße. „Besucht den Freizeitpark Deutschland!“ heißt es da schon mal. „Eintritt frei!“

Ein Gruß von Freunden.
Ein Gruß von Freunden.
Lutz Sebastian Lizenz
1995: Die Buchstaben wurden noch aufwändig aufgerieben.
1995: Die Buchstaben wurden noch aufwändig aufgerieben.
Lutz Sebastian Lizenz