Schuleingangsuntersuchungen Schuleingangsuntersuchungen: Vorschulkinder sprechen schlecht - Übergewicht ein Problem

Dessau-Rosslau - Jedes zweite Vorschulkind in Dessau-Roßlau hat Sprachstörungen bzw. Sprachförderbedarf. Das sagte Amtsärztin Irena Hörhold im Gesundheits- und Sozialausschuss der Stadt. Zudem hat jedes fünfte Kind Übergewicht oder neigt gar zu Fettleibigkeit.
Im Ausschuss hatte Hörhold die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen von 2010 bis 2016 vorgestellt. Bei den Schuleingangsuntersuchungen werden alle Kinder untersucht, die vom 30. Juni eines Jahres bis einschließlich 30. Juni des Folgejahres ihren fünften Geburtstag feiern. „Dabei soll der Gesundheits- und Entwicklungszustand des Kindes festgestellt werden“, erklärt die Ärztin. Die Untersuchung, die das Schulgesetz des Landes vorschreibt, soll herausfinden, ob die Kinder die notwendigen Voraussetzungen für den Start in der Schule mitbringen. Dabei geht es sowohl um körperliche als auch geistige, seelische, soziale und emotionale Fähigkeiten der Kinder. Werden bei dieser Untersuchung Beeinträchtigungen festgestellt, „haben wir ein Jahr Zeit, um darauf reagieren zu können“, so Hörhold.
Sprachproblem seit Jahren
„Schon über viele Jahre wird bei den Kindern Sprachförderbedarf festgestellt“, erklärt die Amtsärztin. Zeigten sich 2010/11 bei über 54 Prozent der Fünfjährigen Sprachprobleme, sank der Wert 2015/16 erstmals unter 50 Prozent. Doch diese Zahl sei mit Vorsicht zu genießen. Erstmals, erklärte Hörhold, erfolgte im Land eine einheitliche Erhebung der Daten. In Dessau-Roßlau wurden sie mit amtsinterner Software ermittelt, die nicht kompatibel mit der Landestechnik sei. Zum anderen tauchten 28 Kinder mit Migrationshintergrund in der Statistik nicht auf - aufgrund fehlender Sprachkenntnisse. Trotzdem: Der Anteil in Dessau-Roßlau ist außerordentlich hoch. Im Landesdurchschnitt gibt es nur bei jedem dritten Kind Sprachförderbedarf.
Inwieweit sich die in den Einrichtungen von Dekita verfolgten Anstrengungen bei der Sprachförderung niederschlagen, konnte Hörhold auf Nachfrage von Sozialdezernent Jens Krause nicht sagen. Doch ist sie sicher, „die Maßnahmen greifen schon“.
Ebenfalls bedenklich ist der bei der Untersuchung festgestellte Trend, dass immer mehr Kinder viel zu viel Gewicht für ihre Größe auf die Waage bringen. Dies könne viele negative Folgen haben, warnte Hörhold. Die Ursachen sieht die Ärztin in mangelnder Bewegung, aber auch im Essen selbst. „Es gibt zu viel, der Kühlschrank ist immer voll.“ Kinder nähmen zu viel Zucker, Fett, Fast Food und gesüßte Limonaden zu sich. Aber kalorienreiche Getränke machen nicht satt.
Immer mehr Gutachten
Aufgrund der Defizite muss der Kinder- und Jugendärztliche Dienst immer mehr Fördergutachten ausstellen. Waren es 2010 noch 117, stieg die Zahl fast auf das Doppelte (218) im vergangenen Jahr an. „Das ist eine bedenkliche Kurve“, so Hörhold, weil die Kinder oft mehrere Probleme aufweisen, die etwa die Feinmotorik, Grobmotorik, die Sprache oder auch den Intellekt betreffen.
Zwar gibt es die Pflicht, dass Kinder an der Einschulungsuntersuchung teilnehmen, sagte Hörhold, „aber keine Pflicht die Empfehlungen umzusetzen.“ Für den Ausschussvorsitzenden Michael Puttkammer (CDU) ist das ein Unding. „Eltern sind in der Pflicht, auf ihre Kinder einzuwirken“, findet er. Puttkammer schlägt auch vor, dass die Stadt Einfluss nehmen und beispielsweise bei Kindern, die bei Dekita betreut werden, auf der Impfpflicht bestehen müsste. Das, sagte Dezernent Krause, ginge aber nicht, weil schlicht dazu die Gesetze fehlen. „Das kann man nicht per Satzung der Dekita regeln.“ (mz)