Motorbootrennen Motorbootrennen: WM-Aus für Dessau
Dessau/MZ. - Yves Schiller rang noch Stunden danach nach Worten. "Die ganze Sache", sagte der Vize-Chef des MBC Elbe im kleinen Rennbüro an der Elbe, "ist einfach unbegreiflich." Ein halbes Jahr lang hatte der Dessauer Verein die 47. Auflage des Dessauer Motorbootrennens vorbereitet und sich vor allem auf die Weltmeisterschaft der Klasse O-250 gefreut. Umsonst.
Das Internationale Dessauer Motorbootrennen auf dem Kornhauskurs an der Elbe steht vor einer ungewissen Zukunft. Sonnabend gegen 15 Uhr hatte UIM-Kommissar Pelle Larsson die Weltmeisterschaft der Klasse O-250 abgesagt und Lokalmatador René Behncke damit die Chance genommen, auf seinem Heimkurs seinen Vorjahressieg zu verteidigen und seinen insgesamt siebten Titel zu holen.
Larsson, zum ersten Mal in Dessau im Einsatz und zuständig für einheitliche Bedingungen auf den Rennstrecken weltweit, hatte die bei der Anmeldung des Rennen gemachten Angaben zur Strecke genauer überprüft - und die fehlende Tiefe der Elbe kritisiert. Das Reglement sieht vor, dass der Fluss mindestens so tief sein muss, wie das längste Boot, das am Rennen teilnimmt. In Dessau war das an den Rändern der Strecke nicht gegeben. Als der Kurs mittels Bojen so verengt wurde, das die Mindesttiefe erreicht war, fehlte es an Breite, um die 14 Boote im Finale der WM-Klasse O-250 starten lassen zu können. Auf Kompromisse ließ sich Larsson nicht ein.
"Die Sicherhalt geht vor", sagte MBC-Vize-Chef Yves Schiller. Doch: "Die Bedingungen am Dessauer Kornhauskurs waren nie groß anders. Wir sind hier schon bei deutlich weniger Wasserstand gefahren." Mit Genehmigung der UIM. "Wir hatten ja fast jedes Jahr eine EM oder eine WM", blieb Schiller die Absage ein Rätsel, das Raum für Spekulationen ließ. "Einige wollten einfach nicht, dass diese WM in Dessau ausgetragen wird."
Die Klasse O-250 sollte vor zwei Wochen in Italien in die Saison starten. Wegen Hochwassers fiel das Rennen aus. Die WM auf dem anspruchsvollen und von den Fahrern nicht unbedingt geliebten Dessauer Kurs wäre die Saisonpremiere gewesen. Der Heimvorteil von René Behncke hätte sich noch mehr ausgewirkt. "Vor allem die Fahrer aus Italien haben auf den Kommissar eingewirkt und auf eine Absage gedrängt", berichtete ein machtloser Schiller. "Wir hatten keine echte Chance."
Behncke selbst hielt sich zurück. "Wir hatten uns intensiv vorbereitet auf diese WM. Es ist einfach ärgerlich", sagte der enttäuschte Abonnement-Weltmeister aus Dessau, der aber auch zugeben musste: "Wenn man das Reglement strikt anwendet, dann geht die Absage schon in Ordnung." Der aus Berlin stammende langjährige Dessauer Rennleiter Peter Fehlberg bestätigte: "Von der Inaugenscheinnahme" hätte der Kurs wie immer ausgesehen. "Vielleicht aber hat die Strömung ja doch mehr Sand an den Buhnen angelandet?"
"Wenn man in Dessau so genau hinschaut, muss man das auch auf anderen Strecken tun. Es hat keiner nach Wegen gesucht, die WM stattfinden zu lassen", kritisierte Behnckes Teamchef Björn Emmerich. Man hätte die Finalläufe beispielsweise auf zehn Boote reduzieren können. "Dann hätte man fahren können." Doch all diese Vorschläge wurden abgelehnt. "Es ist frustrierend."
Zumal die Auswirkungen auf das Internationale Dessauer Motorbootrennen derzeit nicht abzuschätzen sind. Zwar fanden am Sonntag Rennen statt. In Klassen, die kleiner und langsamer sind, die an den Wenden weniger Platz brauchen. Doch wird das Reglement auch in Zukunft ganz streng angewandt, können faktisch keine internationalen Rennen mehr auf dem Bananenkurs ausgetragen werden.
"Es darf jetzt keiner in Panik verfallen", sagte Dessau-Roßlaus Sportdirektor Ralph Hirsch. Der MBC Elbe müsse Kontakt zum Deutschen Motoryachtverband aufnehmen und gemeinsam nach Wegen suchen, "wie hier weiter auch internationale Rennen stattfinden können". Der Pegelstand müsste dafür ein Meter höher sein als am Wochenende. Planbar ist das nicht. "Es muss geklärt werden, was in Dessau möglich ist oder nicht."
René Behncke hatte da längst sein Boot zusammengepackt. Wo die WM der O-250 nun stattfindet, ist offen. Der Deutsche Verband kann für das Rennen einen anderen deutschen Gastgeber suchen - oder es ganz zurückgeben. Die Motorsportler selbst ziehen weiter. In zwei Wochen ist in Tschechien die WM der O-350. Mit René Behncke, der sich kämpferisch gab. "Dann probier ich halt dort, meinen siebten Titel zu holen."