Mit ein wenig Überwindung
Dessau-Roßlau/MZ. - Mehr als 100 Jugendliche vom Liborius-Gymnasium, vom Berufsschulzentrum, der Chaponschule und von den Sekundarschulen Zoberberg, Kreuzberge und Friedensschule nutzten das rund zweistündige Angebot des Umweltbundesamtes, etwas über Klimaschutz und viel über Akteure in Sachen Klimaschutz zu erfahren.
Doch obwohl die meisten der jungen Leute davon ausgingen, dass es ihnen schlechter gehen werde, wenn sie so alt wie ihre Eltern sind, gab es nur wenige Meldungen, als es um Einkauf von Bioprodukten oder dem Mitwirken bei Greenpeace, im Bund für Umwelt und Naturschutz oder beim Naturschutzbund ging. Valerie brachte es wohl auf den Punkt. Umwelt- und Klimaschutz, das sei ihr zu anstrengend, sagte sie. Sie könne nicht auf lieb gewordenes verzichten. Auch erschließe sich ihr nicht, warum sie das sein sollte, die sich für Klimaschutz stark mache. Auf einen mehr oder weniger käme es doch nicht an.
Eine Aussage, die viele verstanden. Selbst im Podium unter den Klimaschutz-Verfechtern. Markus Semrau, der Koordinator der Greenpeace Jugendprojekte Hamburg, waren diese Argumente gar nicht neu. Vor allem die Frage nach dem Beitrag, den ein Einzelner leisten könne, werde ihm oft in seiner Arbeit gestellt. "Deshalb müssen wir Angebote schaffen, die überzeugen", schlussfolgerte er.
Dabei müssen es Themen sein, die an das Lebensumfeld der Jugendlichen anknüpfen, ist die Erfahrung von Claudia Emmermann. Die Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Umweltkommunikation der Universität Lüneburg nannte beispielsweise Ernährung, also die Frage, woher die Lebensmittel kommen, wie ökologisch der Anbau und wie weit deren Transport sei. Als weiteres Handlungsfeld bezeichnete sie die Mobilität.
Gleichwohl rief die Meinung Valeries auch Widerspruch hervor. Markus Semrau versicherte, dass man heutzutage nicht mehr allein sei, wenn man sich für Klimaschutz einsetze. Und man erlebe das Handeln anders, wenn man erst einmal den ersten Schritt getan hat. "Wir erleben unsere Umwelt in Deutschland heutzutage als relativ sauber", stellte er fest. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass es noch viel zu tun gibt. "Das Umweltbild, das sich uns heute bietet, ist ein Erfolg von Menschen, die in den 1980er Jahren sagten: ich kann was verändern", erklärte er. Antonie Rietzschel, Autorin bei der Jugendzeitschrift "Spiesser" warf ein, dass sich Jugendliche nicht unbedingt in Organisationen engagieren müssten.
Klimaschutz könne auch bedeuten, seinen Alltag zu ändern. Da gehöre Mülltrennung schon dazu. Als Kind habe sie es immer genervt, wenn sich ihre Mutter darüber aufregte, dass sie überall das Licht brennen und die Türen offen stehen ließ. Was das kostet!, habe ihre Mutter immer gestöhnt. Inzwischen sei sie es, gestand Antonie Rietzschel ein, die in ihrer Wohngemeinschaft nerve, was Licht, Heizung und Lüften und Türen betreffe. Aus Energiespargründen. Allerdings sei es wirklich anstrengend, Handlungsweisen zu ändern.
Als ein breites Handlungsfeld in Sachen Klimaschutz empfahl Günther Bachmann vom Rat für nachhaltige Entwicklung in Berlin alle Berufe in Unternehmen, die ein Element wie Klima- oder Umweltschutz enthalten. Da seien für Jugendliche alle Wege offen.