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Kreisverwaltung Kreisverwaltung: Elf Jahre, elf Tage, fehlende Arbeit

Von Lothar Gens 03.01.2002, 18:15

Coswig/MZ. - "Ausschlafen ist wunderschön", sagt Karin Krafczyk. "Aber früh Aufstehen und arbeiten gehen, das ist schöner", fügt sie lächelnd und ein wenig nachdenklich an. Und man nimmt ihr ab, was sie damit sagen will: Die Arbeit, dieses tägliche Ringen um die besten Lösungen in einem immer wieder spannungsgeladenen und spannenden Feld, die fehlt ihr. Fehlt ihr richtig.

Und doch hat die promovierte Chemikerin im vergangenen Jahr Ernst gemacht mit der Altersteilzeit und ist nun zu Hause. Zu Hause in einem schmucken Einfamilienhäuschen in Coswig, wo sie nichts mehr zu tun hat mit dem Aufbau des Rettungswesens, der Neuordnung des Gesundheitswesens, Schulreformen und, und, und. Die ehemalige Sozial- und Kultusdezernentin des Altkreises Roßlau und danach des Landkreises Anhalt-Zerbst hat ihren Sessel in der Kreisverwaltung verlassen, als auch der alte Landrat Gerhard Michaelis von seinem aufgestanden ist und der neue Landrat Holger Hövelmann darauf Platz genommen hat. Offiziell verabschiedet worden ist die energiegeladene, zierliche Frau am 29. Juni 2001, exakt nach elf Jahren und elf Tagen im Amt.

Und diese waren reich angefüllt mit der jetzt fehlenden Arbeit. Arbeit, die sie mit der ihr eigenen kämpferischen Art angegangen ist. Wäre das nicht so gewesen - sie hätte vermutlich nicht das geschafft, was sie so hinterlassen konnte. Vor der politischen Wende hätte die Mutter eines erwachsenen Sohnes sich überhaupt nicht vorstellen können, in der Kommunalpolitik aktiv zu werden. "Ich hätte mit Sicherheit damals nie eine solche Position erreichen können", ist sich die Frau sicher. Und sie weiß warum: "Weil ich mich immer hartnäckig, aber erfolgreich dagegen gewehrt habe, Mitglied der einzigen großen Arbeiterpartei zu werden, in der das möglich gewesen wäre." Und darin ist sie sich bis heute treu: Karin Krafczyk ist parteilos geblieben. Auch an der Spitze des wohl kompliziertesten Dezernates der Kreisverwaltung.

Zu Beginn ihrer Amtszeit stand die Umgestaltung des Gesundheitswesens an. "Das heißt, die gesamte damalige Einheit Kreiskrankenhaus/ Poliklinik Roßlau musste aufgelöst werden", macht die jetzt 60-Jährige deutlich. Und dabei ist "eigentlich keiner ohne Arbeit geblieben", blickt sie heute zurück, obwohl alles manchmal auch ganz schön hart gewesen sei.

Und nicht nur hierbei habe sie zuweilen mehr Ärger mit der Öffentlichkeit - auch mit der Presse - gehabt, als es manchmal vonnöten gewesen wäre, ist sie sich sicher. Denn anstehende Veränderungen mussten einfach sein - ohne wenn und aber. Auch wenn es zuweilen Kurzarbeit, manchmal sogar Kurzarbeit Null geben musste. Man habe die ganze Situation gemeistert, ohne dass der Altkreis Roßlau und später der Landkreis Anhalt-Zerbst finanziell etwas zusetzen mussten. In anderen Landkreisen habe das nicht immer so geklappt. Zum 1. Juli 1991 seien alle Ärzte in freier Niederlassung gewesen - mit Ausnahme der Ärztin in der Lungenambulanz.

In die gleiche Zeit fiel die erste Reformierung des Bildungswesens. "Mit dem Schuljahr 1991/1992 hieß es nicht mehr zehnklassige und erweiterte Oberschulen, sondern Gymnasien, Real-, Grund-, Haupt- und Sonderschulen", erinnert sich die ehemalige Dezernentin, die ihr Abitur einst in Delitzsch gemacht hatte.

Und auch daran: Damals fing das "Theater" mit dem Coswiger Gymnasium an. "Ich habe damals gesagt, wir brauchen für Coswig kein Gymnasium, das hält sich auf Dauer nicht", meint sie auch jetzt noch. Und die Zeit sollte ihr später dann Recht geben.

Aufgebaut werden musste unter der Regie von Karin Krafczyk auch die Jugendhilfe in ihrer jetzigen Form. "Das, was heute ein Jugendamt an Aufgaben hat - daran war vorher gar nicht zu denken", sagt die resolute Frau.

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