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Kreiskrankenhaus Anhalt-Zerbst Kreiskrankenhaus Anhalt-Zerbst: Kürzere Gnadenfrist für Haus Roßlau

Von Ute Otto 17.01.2001, 18:27

Roßlau/MZ. - Ursprünglich war die Schließung des Roßlauer Hauses nach dem Abschluss der Rekonstruktion in Zerbst mit der Fertigstellung des Bettenhaus-Neubaus etwa im Jahr 2004 vorgesehen.

Der Bewilligungsbescheid für Fördermittel in Höhe von 32,9Millionen Mark für den Neubau der Bettenstationen am Standort Zerbst ist dem Landkreis im Dezember erteilt worden. Trotz unverzüglichen Planungsbeginns wird das neue Bettenhaus nicht vor 2005 fertig sein, informierte Richter dazu. Um das Haus Roßlau dennoch vorzeitig schließen zu können, schlägt die Krankenhausleitung die Errichtung von "Raumzellen" - zu deutsch Containern - als Übergangslösung vor. Mit den speziell für Krankenhäuser ausgestatteten Containern lasse sich eine komplette Bettenstation zusammen bauen. Die Container würde das Krankenhaus mieten. Dafür würden durch die Schließung des Roßlauer Hauses Kosten eingespart - mit diesem Argument hoffen Verwaltung und Krankenhausausschuss nun den Krankenhausplanungsausschuss des Landes zu überzeugen, am 8. Februar diesem Vorhaben zuzustimmen.

Die plötzliche Eile wird mit ökonomischen Zwängen begründet. "Ab 2003", so erläuterte Richter, "tritt ein neues Vergütungssystem für Krankenhausleistungen in Kraft." Anstelle des derzeitigen Pflegesatzbudgets wird es Entgelte nach einem Leistungskatalog geben. Da als Berechnungsgrundlage dafür die Abrechnung aus den Jahres 2001/2002 dienen, "sind wir gezwungen alle Einsparmöglichkeiten zu nutzen, wenn wir nicht riskieren wollen, dass das Kreiskrankenhaus Anhalt-Zerbst dann zu dem Drittel Krankenhäuser gehört, die nicht mehr wirtschaftlich arbeiten", so Chefarzt Dr. Behrendt.

Ein solches Vorgehen werde auf jeden Fall Einbrüche bei den Patientenzahlen bringen, ist Andreas Herms, für den Personalrat im Ausschuss, sicher. Dennoch befürwortete er es: "Wenn das Krankenhaus mit Minus abrechnet, zahlt letztlich der Landkreis drauf."

"So lange wir die Grundversorgung an zwei Standorten haben, gibt es immer wieder Diskussionen; werden die behandelnden Ärzte an beiden Standorten weiter Ausnahmen zulassen, warum die Patienten nicht nach Roßlau oder Zerbst verlegt werden können", auch aus diesem Grund sprach sich die Krankenhausdirektorin für den schnellen Schnitt aus.

Noch bevor die Pläne der Krankenhausleitung zur Sprache kamen, hatte die Kultusdezernentin Karin Krafczyk ein anderes Argument für die vorgezogene Schließung des Roßlauer Hauses angeführt. Am 22. Februar stellen sich vier Interessenten mit Konzepten für eine alternative medizinische Nutzung des Standortes in der Kreisverwaltung vor. "Wenn ein Interessent ein Konzept vorlegt, mit dem Roßlau Bannerträger werden könnte, sollten wir die Gelegenheit beim Schopfe packen und den Standort schnell räumen. Wissen wir denn, was 2004 wird?"

"Es wird Widerstände geben", mahnte Landrat Gerhard Michaelis (CDU), diplomatisch vorzugehen. "Bisher waren wir davon ausgegangen, dass das Krankenhaus Roßlau über die Bauphase in Zerbst noch genutzt wird."

Der Kreistag habe mit der Zustimmung zur Vereinbarung zwischen Landkreis und Kostenträgern im Frühjahr 2000 den Grundsatzbeschluss gefasst, das Krankenhaus Roßlau bis spätestens 2004 als Standort der medizinischen Grundversorgung aufzugeben, meinte dazu der Kreistagsabgeordnete Detlef Schrickel (SPD). Ein gesonderter Beschluss hieße, unnötig Zeit zu verlieren. Der Ausschuss einigte sich darauf, die von Verwaltung und Krankenhausleitung vorgeschlagene Arbeitsrichtung zu befürworten und den Kreistag in einer Mitteilungsvorlage darüber zu informieren.