Kommunalreform Kommunalreform: Bürgerentscheid in Fuhne-Dörfern
Glauzig/Trebbichau/MZ. - "Wir wollen selbst handeln und uns später nicht behandeln lassen", fasste der Trebbichauer Bürgermeister Olaf Hilbig die Aktivitäten zusammen, die die Abgeordneten der drei Gemeinden in den zurückliegenden Monaten unternommen hatten. Ziel sei es, die vom Land eingeräumte freiwillige Phase beim Zusammenfinden kommunaler Partner zu nutzen. "Das ist allemal besser als eine Zwangszuordnung", ist Hilbig überzeugt. Zur Durchführung der Bürgerentscheide liegen entsprechende Gemeinderatsbeschlüsse vor, die nach Hilbigs Informationen in Trebbichau und Plötz einstimmig, in Glauzig mit einer Gegenstimme gefasst worden sind. In Plötz wird der Bürgerentscheid am 20. Januar 2002 stattfinden. Die drei Partner hätten Interesse an einem Zusammenschluss gefunden, weil die Kommunen vergleichbar seien und es historische, wirtschaftliche und regionale Gemeinsamkeiten gebe.
Das neue kommunale Gebilde würde rund 1700 Einwohner zählen und damit den Landesvorgaben genügen, nach der eine Gemeinde mindestens 1000 Einwohner haben muss. Der Zahlenschlüssel ist aber nur eine Seite der Medaille. Sowohl Hilbig als auch sein Glauziger Amtskollege Volkmar Schöbe halten es für wichtig, dass mit dem favorisierten Zusammenschluss die neue Gemeinde einen großen Teil ihrer kommunalen Selbstständigkeit bewahren kann, die ihr in einer anderen Konstellation verloren ginge. "Wir können dann über Investitionen für unsere Orte weitgehend selbst entscheiden und bestimmen, wie das Gemeinschafts- und Vereinsleben gestaltet wird", sagte Hilbig.
Dafür trage der Gemeinderat Verantwortung, der, sollte es zum Zusammenschluss kommen, neu gewählt werden müsste. Und da die drei Gemeinden annähernd gleiche Einwohnerzahlen haben, sei gewährleistet, dass in dem neuen Rat die Sitze so verteilt werden, dass keine Gemeinde benachteiligt werde.
Volkmar Schöbe hofft darauf, dass sich die Bürger nicht so sehr von Emotionen leiten lassen, sondern ihre Entscheidung rational begründet treffen. Wie er informierte, wurde kürzlich bei einer Einwohnerversammlung darüber debattiert, mit Görzig zusammenzugehen. Einige Glauziger, gab Schöbe den Tenor wieder, fühlen sich mit Görzig mehr verbunden als mit Plötz. "Doch es ist zu kurzsichtig, die Verbundenheit darauf zu beschränken, dass die Glauziger in Görzig einkaufen, zum Arzt oder zur Sparkasse gehen. Das werden sie auch nach der Kommunalreform tun", sagte der Bürgermeister.
Ebenso wenig stichhaltig sei für ihn das Argument mit der Görziger Schule, in der die Glauziger Kinder lernen. Künftige Entscheidungen zu Schulstandorten, machte er klar, werden nicht von den Gemeinden getroffen. Sollte die Ehe mit Trebbichau und Plötz jedoch keine Mehrheit finden, dann müsse Glauzig mit der angekündigten Zwangszuordnung rechnen, was die denkbar ungünstigste Variante sei. "Dann liegt natürlich die Zuordnung zu Görzig nahe. Und ich glaube nicht, dass bei der Wahl eines neuen Gemeinderates ein Kandidat aus Glauzig von Bürgern aus Görzig oder Reinsdorf auch nur eine Stimme bekommt. Glauziger Interessen werden dann zu kurz kommen", befürchtete Schöbe. Mithin stehe Glauzigs Identität auf dem Spiel. "Kommt es so, dass wir zwangsweise zugeordnet werden, steht bald Görzig auf unseren Ortseingangsschildern."
Der geplante Zusammenschluss von Trebbichau, Glauzig und Plötz, teilte Olaf Hilbig mit, wurde im Magdeburger Innenministerium vorgestellt und dort für genehmigungsfähig gehalten. ",Was ihr jetzt aushandelt, kann euch später niemand mehr wegnehmen´, wurde uns im Ministerium gesagt." Ihren Platz, so Hilbig, sieht die neue Gemeinde in einer Verbandsgemeinde. Das könne die jetzige Verwaltungsgemeinschaft Anhalt-Süd sein, endgültig fest stehe das aber noch nicht. "Denn auch die Verbandsgemeinde muss sich neu konstitutieren."