Jürgen Neubert erhält Auszeichnung
Dessau/MZ. - Neubert war über die Absicht, ihn zu ehren, zuvor nicht unterrichtet worden; als Anlass für den sonntagvormittäglichen Besucherandrang war sein 65. Geburtstag vorgeschoben worden. Die Geheimhaltung hat zudem von vornherein eine solche unerquickliche Debatte verhindert, wie sie vor zweieinhalb Jahren um die (Nicht)-Verleihung der Medaille an den ehemaligen CDU-Fraktionschef Erwin Prescher geführt wurde.
Neubert wurde - so sein Nachfolger Hans-Georg Otto - für seine Verdienste in der Nachwendezeit ausgezeichnet. "Das", so der Geehrte in seiner Erwiderung, "habe ich nicht allein gemacht. Daran waren viele beteiligt."
Der Arbeitspsychologe war einer der Mitbegründer der Ost-FDP und hatte sein neues Amt 1990 angetreten. Seine Aufgabe, und die seiner Mitarbeiter, war es, eine völlig neue Verwaltung aufzubauen und zugleich mit dem hohen Erwartungsdruck in der Stadt umzugehen, möglichst schnell erste Erfolge vorweisen zu können.
Dass er bereits 1994 wieder das Amt verlassen musste, hatte in erster Linie mit der Wechselbereitschaft von Wählern im Osten zu tun, auch wenn im Laufe der Zeit die Kritik an ihm lauter wurde. Zudem geriet er zwischen die Mühlsteine der Parteien, als er - nach dem allmählichen Zerfall der Koalition - das freie Spiel der Kräfte propagierte, ohne sich dabei auf eine zuverlässige Hausmacht stützen zu können.
Wenn Neubert heute eines im Rückblick bedauert: Dass es ihm durch die Kürze der Amtszeit nicht vergönnt war, selbst die Früchte dessen einzufahren, was unter seiner Ägide gesät wurde. Ob Rathauscenter, Marienkirche, Straßenbau - vieles wurde erst nach seinem Abgang fertiggestellt.
Von seiner Partei, der FDP, bekam Neubert überdies zu seinem 65. die Theodor-Heuss-Medaille verliehen.