Hochwasser Hochwasser: Wo die Müdigkeit wach hält
Aken/MZ. - Die Hühner wohnen nun im Taubenschlag. Susi und Maika haben nichts gespürt, von dem, was vor der Stalltür geschieht. Von dem, was Edith Schnuppe ängstigt. Alles zu verlieren, wenn der Damm nicht stand hält. Und das Wasser doch noch kommt.
Hoffentlich bleibt es dort, wo es ist, meint die 69-Jährige aus Kühren. Dann sind auch die beiden Ziegen in Sicherheit. Täglich kommt sie mit ihrem Mann zum Gehöft. Immer mit einem flauen Gefühl im Magen, immer mit der Sorge: "Ist noch alles so, wie wir es am Abend verlassen haben." Edith Schnuppe kann kaum noch schlafen, obwohl sie müde ist. "Es wird schon gut werden", sagt sie. Und Ehemann Heinrich nickt. Ziegen melken. Hunde, Hühner und Enten füttern. Dann geht''s wieder fort. Zu ihren Kindern. Mit einem flauen Gefühl im Magen. Und mit der Müdigkeit, die sie wach hält.
"Ich habe Gummistiefel und kann schwimmen", sagt Herbert Minge. Einer, der nicht wegrücken will von Haus und Hof. Der in Kühren bleibt, auch wenn die Nacht an die Elbe kommt. "Ich gehe nicht", meint er kurz.
Für Lothar Huth von der Einsatzleitung in Aken ist die Gefahr noch längst nicht vorbei. Erst wenn das Wasser ein bis anderthalb Meter sinkt, dann wäre er beruhigter. Die Bruchgefahr bestehe weiterhin. Schwerpunkt seien immer noch die Arbeiten am Obselauer Weg (zwischen Kilometer fünf bis zwölf). Da gab es am Donnerstag drei leichte Abrutsche am Deich, die man jedoch sichern konnte. Land- und wasserseitig wurden in der Nacht zum Donnerstag mit großem körperlichen Aufwand Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Bundeswehr, das THW und die Feuerwehr seien im Einsatz. "Damit uns die Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes nicht wegläuft", meint Huth.
Unterstützung von Seiten des Nachbarlandkreises vermisst er. "Den richtigen Draht haben wir zu Schönebeck noch nicht gefunden. Also müssen wir selbst ran", sagt Huth. Des weiteren setzten viele freiwillige Helfer am Donnerstag die Arbeit vom Vortag fort, um den Damm zwischen Obselauer Weg und Schöpfwerk sowie am Fährhaus zu entlasten. Helfer seien immer willkommen, meint Huth.
Die, die erneut zupacken wollen, können sich jederzeit im Rathaus von Aken melden. Huth spricht von katastrophalen Zuständen, die in Aken herrschten, als es hieß, das Hochwasser kommt. Natürlich sei nicht alles so gelaufen, wie es hätte sein sollen. "Das war nicht unsere Absicht." Denn wer habe denn so etwas schon einmal erlebt? fragt er.
Ein wenig mehr Verständnis erhoffe er sich. Und nicht, dass sich jeder persönlich auf den Schlips getreten fühle. Schließlich sollte das Miteinander im Mittelpunkt stehen. So wie es die ungezählten freiwilligen Helfer am Damm demonstrieren. Aber es habe auch Akener gegeben, die gesagt haben: "Jungs, das habt ihr gut gemacht.
Seit Donnerstag vergangener Woche 16 Uhr ist der Katastrophenstab in Aken im Einsatz. An den ersten zwei Tagen sei das Team nicht ins Bett gekommen. "28 Stunden nonstop", berichtet Huth. Da sei schon eine Grenze erreicht. Und natürlich hoffen alle, dass sich der Einsatz tausender Menschen gelohnt habe.
Edith Schnuppe wird am Freitag wieder mit ihrem Mann nach Kühren fahren. Nach dem Rechten schauen. Vier Generationen haben bereits auf dem Gehöft gelebt, erzählt sie. Das Hochwasser 1954 hat die Schnuppes nicht erreicht. Was nun wird: Sie wissen es nicht.