Hochwasser in Dessau-Roßlau Hochwasser in Dessau-Roßlau: Depot im Herzzentrum aufgestockt

dessau/MZ - „Wir sind zum Glück voll funktionsfähig. Aber es gibt natürlich einen Plan B.“ Hartmut Kroll, Direktor des Blutspendeinstituts des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), hat ihn in der Schublade. Für den Fall des Vordringens des Hochwassers bis nach Dessau-Alten liefe dieser Plan auf die Evakuierung des Instituts hinaus.
Mit Blick auf die vermeldeten Pegelstände an Mulde und Elbe herrscht inzwischen bei Kroll vorsichtiger Optimismus, dass Dessau-Roßlau fast komplett verschont bleibt. Der Mediziner, der als Ziebigker zu Wochenbeginn zugegebenermaßen doch ein paar tiefere Sorgenfalten hatte, kann allerdings beruhigen, dass selbst in der schlimmsten Katastrophe die Versorgung der ungefähr 50 Kliniken in Sachsen-Anhalt mit Blutpräparaten gesichert wäre. „Die Vorsorge ist getroffen, dass das im Ernstfall über die Institute in Thüringen und Niedersachsen funktioniert.“
Gleichwohl wurde in Alten allen Eventualitäten vorgebeugt. Zum einen ging ein Transport mit Blutplasma am Mittwoch vorsorglich ins niedersächsische Springe, einen sicheren Standort. In Alten hatten die Präparate - da sie einer viermonatigen Quarantänezeit unterliegen, decken sie nicht den unmittelbaren Bedarf - tiefgekühlt im Keller gelagert. Sie wären zuerst in Mitleidenschaft gezogen worden. Zum anderen wurde frühzeitig das lokale Depot im Herzzentrum Coswig mit Blutkonserven aufgestockt. „Das ist uns gut und reibungslos gelungen. Es entstand keine kritische Situation. Zumal die Blutprodukte auch dorthin gebracht wurden, wo sie zum Einsatz kommen konnten“, zeigte sich Kroll zufrieden.
Wegen zum Teil nicht mehr passierbarer Straßen sei es freilich generell schwierig, Krankenhäuser und dezentrale Blutspende-Lokale anzusteuern. „Aber unsere Fahrer können sich auch mal spontan orientieren und Umwege nehmen. Bislang haben sie noch immer - trotz einer manchmal etwas diffusen Informationslage zum Verkehrsgeschehen - zu ihren Zielen gefunden“, meinte der Institutschef, der volles Verständnis dafür aufbringt, dass mancher sonst treue Spender die Prioritäten aktuell etwas verschoben hat.
Gerade einige Spendentermine, welche die DRK-Kreisverbände organisieren, mussten ausfallen. Entweder waren die ausgewählten Orte nicht mehr zugänglich oder es herrschte Personalknappheit, weil die Leute anderswo viel dringender gebraucht wurden. Die Folge: Eine kleine Delle bei den Vollblutentnahmen. Es gab etwa 500 Spenden weniger. „Und am Montag waren plötzlich die Liegen auch bei uns wirklich etwas leer. Aber es ist zu keiner akuten Dekompensation gekommen. Die meisten Spender sind wieder da“, hat Hartmut Kroll bereits eine leichte Entspannung ausgemacht.
Im Übrigen sei es nicht untypisch, wenn sich ein solches Ereignis wie ein Hochwasser negativ auf die Spendenbereitschaft auswirke.
Andererseits - und dies unterstrich der Institutsdirektor ganz dick - sei eine Blutspende auch eine besondere Form der Hilfe für jene Menschen, die momentan damit beschäftigt sind, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen oder Sandsäcke zu füllen. „Wer also die Zeit hat und es irgendwie einrichten kann, sollte unbedingt einen Blutspendetermin wahrnehmen“, lautete seine Empfehlung.