FC Anhalt Dessau FC Anhalt Dessau: Arbeitsgruppe statt Präsident
Dessau/MZ. - Die Tagesordnung der turnusmäßigen Mitgliederversammlung wurde schnell beiseite gelegt. Statt Rechenschaftsbericht, Entlastung und Neuwahl eines Präsidenten wurde gestern Abend beim insolventen FC Anhalt Dessau eine elfköpfige Arbeitsgruppe gebildet. Diese soll in den kommenden Wochen feststellen, ob der Verein eine Zukunft hat.
Der zurückgetretene Präsident Michael Rösch brauchte nicht einmal einen konkreten Rechenschaftsbericht über die von ihm und seiner Führungsmannschaft seit August geleistete Arbeit abliefern. Nach wenigen Sätzen übergab er das Wort an Insolvenzverwalter Jörg Riedemann. "Es ist vollkommen wurscht, wer Präsident dieses Vereines ist", erklärte dieser daraufhin wörtlich. "Wichtiger ist, dass sich Personen finden, die für den FC Anhalt und für ein Ziel arbeiten wollen. Es müssen die Fragen geklärt werden, wie Geld zu erschließen und wie die sportliche Zukunft in den Griff zu bekommen ist." Nicht wenige der anwesenden Mitglieder reagierten mit Skepsis auf diesen wohl unerwarteten Verlauf der Versammlung. Die Gruppe der Nachwuchstrainer verweigerte die Mitarbeit in dem neu geschaffenen Gremium. "Das enttäuscht mich, aber ich glaube, das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen", meinte Mannschaftsleiter Erhard Garstecki, der zum Sprecher der Arbeitsgruppe ernannt wurde. Ihm ist klar, welcher Berg Arbeit vor seiner Arbeitsgruppe liegt. "Wir werden alles versuchen, um zu ergründen, ob der FC Anhalt in seiner derzeitigen Form erhalten werden kann. Das ist unser Ziel", stellte Erhard Garstecki klar.
Riedemann wiederum verdeutlichte in seinen Ausführungen die Bedrohlichkeit der Lage des ehemaligen Oberligisten. "Die Tendenz, die Gemeinnützigkeit mittelfristig wiederzuerlangen, geht aus meiner Sicht momentan gegen Null", so der Rechtsanwalt aus Halle.
Problematisch gestalte sich die Aufarbeitung der zurückliegenden Geschäftsjahre. "Die Jahre 2002 und 2003 haben de facto nicht stattgefunden. Wir haben entweder keine oder nur unvollständige Belege darüber", erklärte Riedemann. Für ihn gibt es nur drei Perspektiven für den FC Anhalt. Entweder Neugründung unter einem anderen Namen, den Anschluss an einen anderen Verein oder eben die Auflösung des Clubs. "Den bestehenden Verein zu retten ist eine harte Nuss." Sie zu knacken, das sei derzeit illusionär, fand Insolvenzverwalter Riedemann deutliche Worte.
Die Arbeitsgruppe: Frank Fiebig, René Roderich, Heiko Lorius, Bärbel und Ralph Flug, Frank Woche, Falk Oldag, Hendrik Thiele, Andreas Wolf, Sven Ahlward und Erhard Garstecki.