Erinnerungen an jüdisches Leben
Gröbzig/MZ. - Die Exposition gibt einen Rückblick auf Leben und Alltag der Gröbziger Juden und die von ihnen mitgestaltete stadtgeschichtliche Entwicklung. Besondere Würdigung erfährt in einem Ausstellungsraum der in Gröbzig geborene Sprachwissenschaftler Chajim Steinthal.
Bettina Lange, Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Museums Synagoge Gröbzig, konnte zahlreiche Gäste zur Ausstellungseröffnung begrüßen, unter ihnen der Bundestagsabgeordnete Christoph Bergner, Landrat Ulf Schindler und Bürgermeister Lutz Webel. Die Vereinsvorsitzende zeigte sich sehr erfreut darüber, dass ein wichtiger Baustein des Museumskonzeptes jetzt umgesetzt werden konnte. Ihr Dank galt dem Land Sachsen-Anhalt für die Unterstützung und nicht zuletzt der Lotto-Toto GmbH, die 80 000 Euro für die Einrichtung der Dauerausstellung zur Verfügung stellte.
Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz machte dem Verein für dessen Arbeit ein Kompliment. In Gröbzig stehe die einzig erhalten gebliebene Synagoge Deutschlands. Was der Verein zur Pflege dieses kulturellen und politischen Erbes leiste, verdiene "allerhöchste Anerkennung". Neben der neuen Dauerausstellung würdigte Olbertz auch das Engagement der Museumsmitarbeiter, die Synagoge als Ort für Projekttage mit Jugendlichen und für Lehrerweiterbildungen zu öffnen. "Diesen Ansatz, den Sie entwickelt haben, halte ich für sehr fruchtbar", meinte der Minister.
Gerade mit der neuen Exposition fertig geworden, konnte Museumsleiterin Marion Mendez am Sonntag weitere zeitgeschichtliche Dokumente entgegen nehmen. Alice G. Resseguie, die in der Stadt Eugene im US-Bundesstaat Oregon lebt und deren familiäre Wurzeln nach Gröbzig reichen, übergab das Familienstammbuch der Familie Goldstein, ein Kriegstagebuch ihres Vaters und weitere persönliche Erinnerungsstücke. "Ich stelle es Ihnen zur Verfügung, so lange Sie es haben wollen", sagte die betagte Dame. Sie weilte zum 90. Geburtstag ihres Vetters Kurt Goldstein in Deutschland, der es sich ebenfalls nicht hatte nehmen lassen, dem Museum Synagoge einen Besuch abzustatten und spontan das Wort ergriff, als ihm ein Blumenstrauß überreicht wurde. Goldstein, dessen Vater Emil 1920 in Gröbzig verstarb, äußerte sein Unverständnis darüber, dass es kürzlich in Bochum eine vom Gericht genehmigte Demonstration von Neonazis gab, die sich gegen den Wiederaufbau der 1938 abgefackelten Synagoge richtete. Für ihn als deutscher Jude, der 30 Monate lang im KZ Auschwitz zubringen musste, sei das ein schreckliches Erlebnis gewesen. "Ob Jude, Moslem, Katholik oder Protestant, jeder muss etwas tun, damit nazistische Gedanken keinen Platz mehr haben in Deutschland", sagte er unter großem Beifall.
Und auf das Erinnern als Leitwort der neuen Ausstellung reflektierend regte er an, in der Zeit um den 9. November herum in allen Schulklassen eine Stunde abzuhalten, in der es um den Völkermord der Nazis geht. Dort sollten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse sprechen. Wenn Sachsen-Anhalts Schulen damit anfangen würde, hätte sich das Land ein großes "Bienchen" verdient, wandte sich Goldstein direkt an den Kultusminister.