Down Below Down Below aus Dessau: Metalband gibt nach 14 Jahren die Trennung bekannt

Dessau-Roßlau - Warum? „Wir haben selbst viel drüber nachgedacht“, sagt Neo Scope alias Matthias Barwig, Sänger von Down Below. Vor wenigen Tagen hat die erfolgreichste Dessau-Roßlauer Band nach 14 Jahren ihre Trennung bekanntgegeben. Barwig vermutet, dass es viele kleine Mosaiksteine sind, die zur finalen Entscheidung geführt haben, nach so langer Zeit getrennte Wege zu gehen.
Durch seine Kehlkopferkrankung musste die letzte Tour abgesagt werden. „Die Fans und unsere Plattenfirma standen trotzdem voll hinter uns. Aber durch die erzwungene Pause merkten wir, dass wir nicht mehr so weiter machen konnten und wollten wie bisher“, erzählt der Sänger.
Der Gitarrist von Down Below, „Carter“ (Matthias Kaltofen), und der Schlagzeuger „Mr. Mahony“ (Tony Matthias) sind mittlerweile glückliche Familienväter. Mit der Band haben sie lange Zeit die Dreifachbelastung aus Beruf, Familie und Musik mitgemacht.
„Wir wollen zu 100 Prozent als Band da sein. Auf Dauer wäre das aber unmöglich gewesen. Das wäre unseren Fans gegenüber nicht fair“, erklärt Barwig.
Down Below macht sauberen Schnitt
So machen die Bandmitglieder, alle zwischen Mitte Dreißig und Anfang Vierzig, lieber jetzt einen sauberen Schnitt und orientieren sich neu. Kaltofen und Matthias werden sich voll auf ihre Familie und ihre Berufe als IT-Systemadministrator beziehungsweise Koch konzentrieren.
Barwig und der Bassist von Down Below, „Convex“ (Alexander Lysiakow), bleiben der Musik und den Fans weitestgehend erhalten. Neben seiner Tätigkeit als Erzieher im Kinderheim „Wolkenfrei“ und als Songwriter für andere Interpreten will Barwig als „Neo“ eine Solokarriere mit eigenem Album anschieben.
Lysiakow, der als Produzent ein eigenes Studio in Roßlau hat, will ihn unterstützen. Seinen anderen Bandkollegen bleibt er verbunden und beobachtet, wie deren kleine Racker groß werden.
Metalband setzt Zeichen gegen Mainstream
Denn 14 Jahre Bandgeschichte schweißen zusammen. Was sie in dieser Zeit für Eindrücke gewonnen haben, würde bei manchem für mehrere Leben reichen. „Wir durften das erleben, was nur wenigen Menschen passiert“, sagt Barwig.
Hoch und Tief, das lag bei ihnen oft verdammt nah zusammen. Mit ihrem Stil, einer Mischung aus Alternative und Dark Rock sowie Metal, setzen sie Ausrufezeichen in der Gothic- und Metal-Szene. Mainstream, das war von Anfang an nicht ihr Ding.
Down Below schaffen den Durchbruch
Trotzdem schaffte die Dessau-Roßlauer Band nach einigen Jahren den Durchbruch. Das große Plattenlabel „Universal“ nahm die Vier unter Vertrag. Sie spielten bei Rock am Ring 2007.
Das verleitete vor allem einen in der Band zu kleinen Höhenflügen, Sänger Neo Scope. Durchzechte Nächte und Frauen gehörten nach dem Motto „Sex, Drugs and Rock’n Roll“ für ihn einfach dazu. Doch die Realität erdete den heute 37-Jährigen schnell wieder.
Sie hatten sich ihre ersten Sporen verdient. Die Millionen, der Luxus und Glamour blieben aber Fiktion. „Zu keinem Zeitpunkt hätte man ernsthaft von der Musik leben können“, resümiert Barwig.
Mit Kehlkopfentzündung beim Bundesvision Song Contest
Doch ein Höhepunkt jagte den nächsten. 2008 holten sie beim von Stefan Raab initiierten Bundesvision Song Contest, wo Musiker aus allen 16 Bundesländern antraten, mit ihrer Single „Sand in meiner Hand“ den dritten Platz für Sachsen-Anhalt.
Mit einer Kehlkopfentzündung ließ sich der Sänger vor dem Auftritt in Hannover gesund spritzen. Wieder zu Hause schlief er fast 24 Stunden durch und wachte im Alltag wieder auf.
„Mein erster Gedanke war: Du musst den Müll rausbringen und einkaufen gehen“, blickt er zurück. Der Hype des Bundesvision Song Contest war schnell verflogen.
Down Below geben Abschiedskonzert
Die Single erreichte Platz 42 in den Charts. Kreischende Fans auf der Straße blieben aber aus. Weitere Höhepunkte folgten, unter anderem als Vorband von „Unheilig“ 2010 und 2011.
Nach sechs Studioalben und hunderten Auftritten in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und Italien zieht Barwig zufrieden Bilanz. „Wir waren nah am Feuer, haben uns aber nicht verbrannt.“ Sie konnten ohne Kompromisse sich und ihrem Stil treu bleiben. Auch das wollen die vier mit einem Abschiedskonzert im Dezember mit ihren treuen Fans im Golfpark feiern.
(mz)
