Dessauer Gropiussiedlung Dessauer Gropiussiedlung: Denkmalschutz als Reibungspunkt
Dessau - Die Mülltonnen vor den Häusern sollen weg? Als Sirko Pfitzner vom Interessenverband Gropiussiedlung Dessau-Süd am Freitagabend über Vorstellungen der Stadtverwaltung zur neuen Denkmalschutzsatzung informierte, grummelte es unter den Bewohnern gewaltig. Zum Sommerfest hatten sie sich zahlreich an der Pension Mitschke im Kleinring getroffen. Da machte Selbstgebackenes wie Schüttelpizza, Speck- oder Zucchinikuchen die Runde, da wurde mit selbst angesetzten Likören auf gute Nachbarschaft angestoßen, doch Pfitzners Informationen lagen wie ein Stein im Magen.
„Man darf nicht nur verordnen, man muss die Leute mitnehmen“, macht Hans-Knud Arndt den Knackpunkt in der ab 1926 von Walter Gropius errichteten Siedlung Törten aus. Die Siedlung steht unter Denkmalschutz, seit 1994 gibt es eine Satzung, die nun eine neue Fassung erhalten soll.
"Es muss eine lebbare Siedlung bleiben"
Arndt wie auch Pfitzner waren mit anderen Vertretern des Siedlungsverbandes zu einem Gespräch bei der Unteren Denkmalbehörde eingeladen, an dem auch Andreas Schwarting teilnahm. Schwarting ist Kenner der Siedlungshistorie, hat u.a. das Buch „Die Siedlung Dessau-Törten: Rationalität als ästhetisches Programm“ herausgegeben und bei seinen Recherchen detaillierte Informationen zum ursprünglichen Zustand der Siedlungshäuser gewonnen. Pfitzner weiß, wenn Touristen die Siedlung besuchen, dann haben sie die historischen Bilder vor Augen und werden mit einer Realität konfrontiert, die anders aussieht. „Hier wohnen Menschen, das ist kein Museum. Es muss eine lebbare Siedlung bleiben“, sagt er. Und genau das, findet auch Arndt, müsse man vermitteln. Arndt, der in der Siedlung als „verrückter Professor“ bekannt ist, weil er sein Haus nach historischem Vorbild sanieren ließ, denkt, genau dies sei auch beim Gespräch mit den Denkmalschützern angekommen. „Man kann nicht nur Forderungen aufstellen, es muss ein Geben und ein Nehmen sein“, sagt er. Beispielsweise pflegen die Anwohner die Vorgärten aus Idealismus, weil sie es schön haben wollen. Der Bereich vor den Häusern aber gehöre der Stadt. - Wenn sich die Stadt dazu bekennen wolle, Bauhausstadt zu sein, dann müsse auch etwas für die Siedlung Törten getan werden.
Sind Regelungen zu schwammig?
Zu den Knackpunkten gehören nicht nur die Mülltonnen (hier scheint es ein Abrücken von restriktiven Vorschriften zu geben), sondern auch die Dämmung von Fassade und Dach, der Zustand der Gehwege oder die Farbgebung der Fassaden. „Warum“, fragt Pfitzner, „kann nicht beim Grau der Bänder an den Fassaden ein Ral-Ton festgelegt werden?“ Die bisherigen Regelungen seien zu schwammig. Und Grau ist eben nicht gleich Grau. (mz)