Dessau-Roßlau Dessau-Roßlau: Im Brauhaus fühlen sich nicht nur Biertrinker wohl
DESSAU/MZ. - Grund genug für Geschäftsführerin Regina Gröger und das Brauhaus-Team Wegbereiter, Partner und Freunde zu einem Geburtstagsessen einzuladen. Und gemeinsam mit ihnen zurückzublicken.
Den Überresten der ehemaligen Schade-Brauerei in der Langen Gasse hatte wohl keiner mehr wirklich eine Zukunft gegeben. Bis Regina Gröger ihr Herz an diese Ruine verlor und dort den Ort sah, an dem sie ihr Mitte der 90er Jahre gegebenes Versprechen einlösen könnte. Damals hatte die SAGA GmbH, deren Geschäftsführerin Gröger war, nach Schließung der Dessauer Brauerei von Paulaner die Braurechte erworben und Regina Gröger enthusiastisch verkündet: "In Dessau wird wieder Bier gebraut".
Der Baubeginn am 30. Juni 2000 in der Langen Gasse war somit auch für die Dessauer Brautradition ein Neuanfang. Anderthalb Jahre dauerten Sanierung und Umbau der Ruine zum modernen Brauhaus "Zum Alten Dessauer". Eine Zeit, die für Regina Gröger viele Aufreger bereithielt. Die Braugenehmigung, die das Land erteilen musste, war ein solcher. "Wir lagen von der avisierten Braumenge her zwischen Gasthaus und großer Brauerei, das erforderte eine Ausnahmegenehmigung, erklärt Regina Gröger den damaligen Ärger. Am 11.11. 2001 wurde die Gaststätte schließlich feierlich eröffnet, wurden die beiden Braukessel in Betrieb genommen.
Am Freitag, zehn Jahre später, gehört das Brauhaus zu den beliebtesten Restaurants der Stadt. "Das macht uns sehr stolz", spricht Regina Gröger für das Team, das vom ersten Tag an von Wirtin Brigitte Schulze geführt wird. "Die Zeit war nicht leicht, es gab ein ständiges Auf und Ab", bleibt Gröger trotz des Erfolges realistisch. Große Rückschläge habe das Haus verkraften müssen: das Hochwasser im Jahr 2002, das Rauchverbot und auch die veränderte Dienstreisekosten-Abrechnung. Gründe zum Verzagen waren all dies aber nicht.
Statt dessen haben die Brauhaus-Mitarbeiter ihr Hauptaugenmerk auf die Qualität ihrer Arbeit gelegt. So hat das Brauhaus 2010 das Qualitätsmanagement Sachsen-Anhalt erfolgreich abgelegt und will es 2012 verteidigen. "Regelmäßige Nabelschauen gehören bei uns dazu. Jeder Hinweis und jede Kritik wird im Team ausgewertet", sagt Regina Gröger, die auf eine kürzlich durchgeführte Gästebefragung verweist. 95 Prozent der Teilnehmer gaben dem Brauhaus für Service und Küche die Note 1 oder 2.
Frische Zutaten, regionale Produkte und frische Zubereitung sind Qualitätskriterien, die in der Küche ganz groß geschrieben werden. Dies habe dem Brauhaus Anerkennung weit über die Stadtgrenzen hinaus gebracht, ist Regina Gröger überzeugt. Viele Touristen und Gäste aus der Region gehören zur Kundschaft. Darüber hinaus hat sich das Brauhaus "Zum Alten Dessauer" auch als Kulturstätte einen Namen gemacht. Kabarett- und Tanzveranstaltungen haben längst einen festen Platz im Kulturkalender der Stadt und erfreuen sich großer Beliebtheit.
Regina Gröger nennt ein weiteres Erfolgsrezept: "Wir sind ein tolles Team, das an einem Strang zieht." 25 Stamm-Mitarbeiter gehören dazu und zwölf Aushilfen. Nicht nur die Gäste fühlen sich im Brauhaus wohl, auch die Mitarbeiter. So sind Brigitte Schulze, Küchenchef Gerrit Franz und sein Stellvertreter Matthias Zahorszki vom ersten Tag an dabei. Peggy Franz und Matthias Wieske haben ihre zehnjährige Tätigkeit nur wegen eines Erziehungsurlaubs unterbrochen. "Außerdem haben sich bei uns zwei Ehepaare gefunden - und aktuell haben wir auch wieder ein Liebespaar", gibt Regina Gröger verschmitzt die "Betriebsgeheimnisse" preis.
56 Auszubildende lernten in den vergangenen zehn Jahren im Brauhaus den Beruf des Kochs oder der Restaurantfachfrau. Etliche fanden dort gleich ihren Arbeitsplatz. Andere zogen erstmal in die weite Welt, sind aber jetzt zurückgekehrt. Und gehören wieder zum Team des Brauhauses.