Dessau-Roßlau Dessau-Roßlau: Ansturm auf den ersten Markt aus dem «Westen»
DESSAU/MZ. - Damals wie noch heute ist Becker der Leiter des Einrichtungsmarktes Domäne, der mittlerweile als Poco-Domäne firmiert. Becker war früher beim Dessauer Plattenwerk Direktor für Versorgung und Betreuung und für den Materialeinkauf zuständig. Nunmehr beschaffte er aber nicht mehr Zement oder Kies, sondern kümmerte sich um Teppichboden, Tapeten oder Gardinen. Sämtliche Mitarbeiter, die damals im Markt anfingen, waren Plattenwerker, heute beträgt ihr Anteil noch immer 60 Prozent. "Mein jetziger Chef Ronald Prox war damals stellvertretender Betriebsdirektor im VEB", erinnert
sich Becker zurück. Für die Plattenwerker war es mit den Aufträgen vor 20 Jahren nicht mehr weit her, Alternativen mussten gefunden werden. Und die Alternative war der Einrichtungsmarkt. "Innerhalb von nur sieben Wochen haben wir eine alte Lagerhalle in einen für damalige Verhältnisse schmucken Einkaufsmarkt verwandelt." Am Tag der Eröffnung war die Stadt rot-gelb geflaggt.
Der Boom zur Wendezeit ebbte ab, ab Mitte der 90er Jahre wurden etliche Baumärkte und Einrichtungshäuser errichtet, kamen viele Mitbewerber auf den Markt. Doch auch Kaufkraftverlust machte sich bemerkbar, sagt Becker. Nicht nur, dass die Menschen durch Arbeitslosigkeit weniger im Portemonnaie haben. Auch der Einwohnerschwund ist spürbar.
Selbst hat sich der Markt gewandelt, seine Fläche auf 2 000 Quadratmeter verdoppelt und ist unter den 87 Märkten deutschlandweit doch der Kleinste. Auch das Sortiment entwickelte sich hin zu einem vollständigen Angebot rund ums Einrichten und Renovieren. Heute gibt es auch Möbel und Küchen.
Seine 20 Mitarbeiter sieht Becker fast als "verschworene Gemeinschaft". "Sie sind", sagt er, "das größte Kapital". Und Wert legt er darauf, stets junge Leute auszubilden. Ununterbrochen seit 1991. "81 junge Menschen haben bei uns den Sprung ins Berufsleben gewagt. Viele von ihnen sind heute in verantwortlichen Positionen im Unternehmen tätig."
Poco-Domäne, erklärt der Marktleiter, habe sich in all den Jahren auch stets gesellschaftlich vor Ort engagiert. So war und ist der Markt ein wichtiger Sponsor für verschiedene Sportvereine, aktuell beim SV Dessau 05. Wenn am Montag das 20-jährige Jubiläum gefeiert wird, wird der Traditionsverein aus dem Schillerpark eine Spende über 1 000 Euro erhalten.
Doch auch Schulen und Kindertagesstätten wurden bereits mit Sachspenden unterstützt, ebenso die Initiative "Wir helfen" der Mitteldeutschen Zeitung. Und auch beim Hochwasser half der Markt mit Technik fürs Sandsäckefahren und später mit Spenden.