Ausstellung Ausstellung: Plakate über Komasaufen sollen Dessauer wach rütteln
Dessau-Rosslau/MZ - Henna Akbari findet es wichtig, dass sie informiert darüber ist, was passiert, wenn man Alkohol trinkt. „Damit ich gar nicht erst damit anfange“, meint die Siebtklässlerin. Sie gehörte Montagvormittag mit ihrer Freundin Mina Schulz und der Schulsozialarbeiterin des Liborius-Gymnasiums, Sabine Wagner, zu den ersten Besuchern der Ausstellung „Bunt statt blau“ im Rathauscenter.
Auf großformatigen Plakaten haben sich Jugendliche mit dem Thema Alkohol und Komasaufen auseinander gesetzt. Gezeigt werden in Dessau seit Montag und noch bis zum 9. März die Landessieger-Plakate des vorigen Jahres. „Ich dachte, dass mehr Text drauf ist“, schildert Henna Akbari ihre Eindrücke, „aber so finde ich es viel besser, das sagt mehr aus“. Auch Mina Schulz findet die Plakate sehr anregend und freut sich drauf, selbst kreativ werden zu können. Sabine Wagner indes sieht das Engagement der Mädchen aus dem Blickwinkel der Suchtprävention. „Mit 12, 13 wird oft das erste Mal Alkohol probiert, da ist es wichtig, dass die Schüler aufgeklärt sind über die Folgen.“
Lena Riemer ist Schulsozialarbeiterin an der Sekundarschule Schillerpark. Sie hat die Kunstlehrer über den Plakatwettbewerb der DAK informiert. Diese wollen das Thema in den Unterricht integrieren. Eine 7. Klasse habe die Plakataktion zum Klassenprojekt gemacht. Ein Thema seien Alkohol und Drogen für die Schüler auf jeden Fall, so ihre Beobachtungen. „In der Schule wird nicht konsumiert, aber in der Freizeit auf jeden Fall.“ Jan Metzner vom Philanthropinum bestätigt dies: „Viele besuchen einschlägige Diskotheken und brüsten sich damit, was sie alles getrunken und geschluckt hätten. Obwohl sie minderjährig sind.“ Und deshalb versucht auch der Schulsozialarbeiter des Gymnasiums möglichst viele Schüler zum Mitmachen zu animieren. „Das klappt am besten, wenn sich die ganze Klasse beteiligt.“
Hinter dem Plakatwettbewerb steckt ein ernsthafter Hintergrund. Denn auch in Dessau-Roßlau wird der Alkohol- und Drogenmissbrauch Jugendlicher ein immer stärker hervortretendes Problem, wie Uwe Mathony, Chefarzt der Kinderklinik am Städtischen Klinikum weiß. Insbesondere der Konsum von Crystal Meth nehme zu. „Das wird als Tablette eingenommen, also wie ein Medikament und das senkt die Hemmschwelle deutlich“, erklärt er. Eindringlich warnt er vor den Folgen: „Die Jugendlichen sind abhängig, bevor sie es gemerkt haben.“
Die Idee der DAK als Initiator des Plakatwettbewerbs, dass sich die Jugendlichen selbst mit dem Thema auseinandersetzen sollen, begrüßt Mathony. Und dass dies durchaus wirkungsvoll ist, beweisen eindrucksvoll die ausgestellten Siegerplakate. „Da sind einige richtig gute Ideen und Umsetzungen dabei“, lobt der Chefarzt.
Die Anregung zu einer offenen und kritischen Debatte zum Thema Alkohol und Drogen erhofft sich Susen Thielemann von der Koordinierungsstelle für Suchtprävention im Jugendamt von der Ausstellung und der Teilnahme möglichst vieler Dessau-Roßlauer Schüler am diesjährigen Wettbewerb. „Ermahnungen nützen wenig, die Jugendlichen müssen sich selbst auseinander setzen, das ist die wirkungsvollste Präventionsarbeit.“
Noch bis zum 31. März haben Dessau-Roßlaus Schüler Zeit für ihre Plakatentwürfe. „Wir hoffen natürlich auf viele Einsendungen, damit wir im Sommer für die Prämierung der Regionalen Sieger eine große Auswahl haben“, fordert Thomas Büttner, Leiter des Servicezentrums Dessau der DAK zum Mitmachen auf.
